Auto-Reisen am billigsten, beliebtesten - und am gefährlichsten

12. September 2007, 11:33
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Lockere Gurte und Beine am Armaturenbrett wurden im ÖAMTC-Crashtest zur tödlichen Falle - Auto klimafreundlicher als Flugzeug

Wien - Lange, anstrengende Urlaubsfahrten mit dem Auto bergen große Gefahren. Lockere Gurte, hochgelagerte Beine am Armaturenbrett, schlafende Kinder im Kindersitz: Lässigkeit im Fahrzeug kann zum tödlichen Verhängnis werden. Ein ÖAMTC-Crashtest hat nun gezeigt, dass sich eine fehlerhafte Sicherung bei Unfällen verheerend auswirken können.

In der Simulation vertraute der Fahrer auf die Wirkung des Airbags und verzichtete auf den Gurt. Der Beifahrer war zwar angeschnallt, legte aber die Beine aufs Armaturenbrett, so dass die Füße direkt auf dem Airbag lagen. Im Fond wurde ein Dummy in einer Babyschale transportiert, bei der - wie es in der Praxis häufig vorkommt - die Becken- und Schultergurte vertauscht waren. Beim zweiten Kind simulierten die Tester, dass es eingeschlafen und seitlich aus dem Schultergurt herausgerutscht war.

Kopf gegen Scheibe

Beim Test selbst verfehlte der Kopf des unangegurteten Lenkers beim Aufprall den Airbag und schlug hart an das Dach und gegen die Frontscheibe. Ähnlich beeinträchtigt war die Schutzwirkung beim Beifahrer: "Da sich der Airbag wegen der aufgesetzten Füße nicht korrekt öffnen kann, sprengt dieser in Sekundenbruchteilen das Handschuhfach und presst die Beine und Füße des Beifahrers mit voller Wucht gegen die Frontscheibe", erklärte Lang. Ein Fuß bohrte sich durch das Glas, der Beckengurt rutschte hoch und schnitt sich tief in den Bauch.

Auch dem Dummy in der falsch gesicherten Babyschale erging es nicht gut. "Die Videoanalyse zeigt, wie die Babyschale völlig unkontrolliert aus dem Fahrzeug geschleudert wird. Das stellt in der Realität ein unabschätzbares Risiko dar", so der Techniker. Beim eingeschlafenen Kind im Kindersitz fehlte der seitliche Halt der Rückenlehne. Im Crash drehte sich das Kind aus dem Gurt, der Schultergurt konnte den Oberkörper nicht zurückhalten, daher wurde die ganze Last über den Beckengurt auf die inneren Organe in der Bauchgegend übertragen.

Hohes Risiko

Für Urlaubsfahrten mit der Familie ist laut Club das Auto im Vergleich zu Bahn und Flugzeug nach wie vor das kostengünstigste und beliebteste Verkehrsmittel. Gleichzeitig ist die Fahrt mit dem Auto immer noch mit dem größten Risiko behaftet. Der ÖAMTC appelliert an die Lenker: Alle Sicherheitseinrichtungen im Auto sollten optimal ausgenützt werden. Beim Kauf von Kindersitzen sollte man sich beraten und zeigen lassen, wie der Sitz in das Fahrzeug eingebaut werden muss.

Klimafreundlicher

Das Auto ist aber nicht nur beliebter, sondern auch klimafreundlicher als eine Flugreise. Fliegt eine vierköpfige Familie von Wien nach Dubrovnik, wird rund vier Mal so viel CO2 frei wie bei einer Autofahrt in die Stadt im Süden Kroatiens, stellte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer Untersuchung fest. Wer mit der Bahn in den Urlaub fährt, ist besonders "grün" unterwegs.

Von Wien nach Dubrovnik und retour verursacht ein Pkw mit vier Personen an Bord 381 Kilogramm CO2. Steigt diese Familie für die gleiche Distanz ins Flugzeug, werden 1.650 Kilogramm des Treibhausgases frei. Ähnlich verhält es sich bei Reisen in andere beliebte Urlaubsdestinationen (mit Startort Wien): Eine Familien-Flugreise nach Kreta verursacht etwa fünf Mal so viel CO2 wie Auto und Fähre. Vier Personen, die mit Pkw und Fähre nach Antalya fahren, sind knapp vier Mal klimafreundlicher unterwegs als mit dem Flugzeug.

Bahn am "grünsten"

"Grüner" als die Bahn ist keines der beiden Verkehrsmittel: Wer von Wien nach Florenz oder Paris in den Zug statt ins Auto steigt, verursacht ein Fünftel des CO2-Ausstoßes. Im Vergleich zum Flugzeug wird bei einer Städtereise von der Bundeshauptstadt in die Hauptstadt Frankreichs mit der Bahn ein Dreiundzwanzigstel des Treibhausgases frei (89 Kilogramm). Den CO2-Ausstoß für die eigene Fahrt in den Urlaub kann man auf VCÖ selbst berechnen.

Mehr als die Hälfte der Österreicher (57 Prozent) fährt mit dem Auto in den Urlaub. Auf der Tauernautobahn dürften an diesem Wochenende drei Mal mehr Pkw unterwegs sein, als an durchschnittlichen Tagen. Um Staus zu entgehen, empfahl der VCÖ, erst am Sonntag ins Fahrzeug zu steigen. Immerhin steht jeder Österreicher durchschnittlich 120 Stunden pro Jahr im Stau.

Pausen einhalten

Kilometerlange Autoschlangen, brütende Hitze und quengelnde Kinder am Rücksitz bedeuten für den Lenker Schwerstarbeit. Damit die Autoreise so angenehm wie möglich verläuft, sollte diese bereits richtig geplant werden, rät das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) in einer Aussendung. Die Spitzen des Urlauberschichtwechsels sollten als Reisetage gemieden werden. Spätestens alle zwei bis drei Stunden empfiehlt sich eine Pause von mindestens 15 Minuten. Besser sei, eine etwas längere, landschaftlich schöne Route zu nehmen, um für einen Spaziergang oder eine Besichtigung kurz Rast machen zu können.

Luftige Kleidung, ausreichend Flüssigkeit und Schattenspender wie Sonnenrollos oder eingeklemmte Handtücher machen lange Fahrten und Staus erträglicher. Schweres Essen sollte genauso vermieden werden wie Zugluft durch offene Fenster - ansonsten könnte der Urlaub mit einer Erkältung beginnen. (APA)

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