Wiener Theaterreform im Augenblick: Uneinigkeit

16. Juli 2007, 12:27
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Verwunderung bei der Opposition: Geld ohne Juryempfehlung

Wien – Vor wenigen Wochen genehmigte der Wiener Kulturausschuss auf Antrag von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) für das Theater des Augenblicks eine Förderung in der Höhe von 500.000 Euro bis zum Sommer 2009. Diese Entscheidung sorgt für Verwunderung bei der Opposition.

Denn eigentlich hätte die Spielstätte in das Koproduktionshaus "dietheater" eingegliedert werden sollen. Doch die neuen Leiter des Hauses, Thomas Frank und Heiko Pfost, sahen sich, so Mailath gegenüber dem Standard, außerstande, das Theater des Augenblicks mit den ihnen zur Verfügung stehenden Subventionen mitzubetreiben. Daher sei die bisherige Leiterin, Gül Gürses, gebeten worden, das Haus weiter zu verwalten. Als "Kompetenzzentrum für internationale Kulturvernetzung" will sich das Theater künftig sowohl künstlerische Vision als auch Förderungswürdigkeit erhalten.

Für Franz Ferdinand Wolf, Kultursprecher der Wiener VP, ist die Förderung ein weiterer "klaren Beleg dafür, dass die Theaterreform nicht nach den ursprünglichen Kriterien abgewickelt wird". Schließlich gebe es genügend Theatergruppen, die aufgrund der Juryempfehlungen nicht zum Zug kämen. Im Falle des Theater des Augenblicks liegt keine Empfehlung vor: "Man kann schließlich wegen eines Theaters keine ganze Jury einberufen", heißt es dazu aus dem Büro Mailaths.

Marie Ringler, Kultursprecherin der Grünen, bezeichnet die gescheiterte Einbindung in das Koproduktionshaus als "unerfreulich", die ganze Situation als "schwierig und verfahren". Nicht im Sinne des Erfinders, so Ringler, sei eine weitere Förderung von 160.000 Euro für den Theaterbetrieb, die dem Theater des Augenblicks per SP-Alleinbeschluss zuerkannt wurde. Neben Tanz- und Theaterveranstaltungen finden sich auf der Liste der Aktivitäten bis zum Sommer 2009 rund 15 Wochen lang Feldenkrais-Veranstaltungen ...

Mailath verteidigt die Vermietung: "Sie ist klarerweise kein direkter Bestandteil des Theaterbetriebes", vielmehr könne das Theater dadurch seine Eigendeckung maßgeblich steigern. Es stehe auch jedem anderen Haus frei, seine Räume für nicht kunstaffine Projekte zu vermieten, solange der laufende Spielbetrieb nicht beeinträchtigt werde. (Clemens Piber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2007)

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