Strom wird für Deutsche teurer

30. Juli 2007, 16:41
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Vielen Deutschen steht am 1. Juli eine empfindliche Strompreiserhöhung ins Haus, nachdem die staatliche Kontrolle fällt

Internetseiten, auf denen man Strompreise vergleichen kann, hatten in den vergangenen Wochen in Deutschland Hochkonjunktur. Denn vielen Deutschen steht am übermorgigen 1. Juli eine empfindliche Strompreiserhöhung ins Haus. Der Grund: Für die deutschen Energieversorger endet zu diesem Zeitpunkt die Genehmigungspflicht für Stromtarife.

Bisher mussten die Unternehmen gemäß der "Bundestarifordnung Elektrizität" geplante Preiserhöhungen drei Monate vorher vom Wirtschaftsministerium des jeweiligen Bundeslandes absegnen lassen. Dies fällt nun, da die Länder der Ansicht sind, der Strompreis für den Endkunden setze sich zu 95 Prozent aus Anteilen zusammen, die das Ministerium ohnehin nicht beeinflussen könne (Steuer, Einkaufspreis, Durchleitungskosten).

100 Anbieter wollen verteuern

Der Branchendienst Verivox schätzt, dass von den 1000 Energieversorgern in Deutschland rund einhundert die Gelegenheit nützen wollen und ihre Preise erhöhen werden. Dabei haben viele Anbieter Energie erst zu Jahresbeginn mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent verteuert. Die Stromkonzerne haben für die neuerliche Erhöhung allerlei Erklärungen: Gestiegene Beschaffungskosten, höhere Netzentgelte für die Durchleitung von Strom und mehr Belastungen durch mehr Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Das empört Verbraucherschützer und Politiker, die Stromkunden dazu aufrufen, sich zu wehren. "Mein Appell: Vergleichen Sie Stromtarife, und wechseln Sie zu dem für Sie günstigsten Anbieter", sagt Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Bislang waren die Deutschen bei den Stromanbietern nicht besonders wechselwillig. Seit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 haben von 39 Millionen Haushaltskunden nur zwei Millionen ein anderes Unternehmen ausgesucht.

Markt in Bewegung

Doch die drohende Preiserhöhung hat Bewegung in den Markt gebracht, die vor allem Vattenfall (einer der vier deutschen Stromriesen) zu spüren bekommt. Das Unternehmen erhöht seine Preise in Hamburg um 7,2 und in Berlin um 6,5 Prozent und hat dies zudem sehr spät mitgeteilt. Davon profitiert Konkurrent Nuon, der seit Mai 30.000 neue Kunden verzeichnet – die meisten von Vattenfall. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.6.2007)

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