"Samurai" Fujimori kandidiert in Japan

26. Juli 2007, 17:23
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Perus Ex-Präsidenten winkt die Immunität

Alberto Fujimori, ehemaliger Präsident von Peru, wird in Japan bei der kommenden Oberhauswahl Ende Juli antreten. Er möchte für eine kleine oppositionelle Volkspartei (PNP) als Senator den Sprung ins Parlament schaffen. Shizuka Kamei, Chef der PNP, gab die überraschende Kandidatur Fujimoris am Donnerstag in Tokio bekannt und Fujimori wohnte der Pressekonferenz per Telefonschaltung aus Chile bei. Während PNP-Vorsitzender Kamei seinen Überraschungskandidaten als „letzten Samurai“ mit edlen Werten pries, versprach Fujimori, seine Erfahrung als Ex-Präsident in Japan einzubringen.

Fujimori, der zwischen 1990 und 2000 zwei Amtsperioden als Präsident Perus verbracht hatte, droht dort der Prozess wegen Korruption und Menschenrechtsverletzung. Der Ex-Präsident bestreitet bis heute alle Vorwürfe. 2000 war er nach Japan ins Exil geflohen, fünf Jahre später reiste er überraschend nach Chile, wo er wegen eines internationalen Haftbefehls gegen ihn festgenommen wurde. In Chile wird in den nächsten Monaten der Entscheid des Höchstgerichts erwartet, ob Fujimori nach Peru ausgeliefert wird. Ob ihn Chile zum Wahlkampf in Japan ausreisen lassen wird, ist unklar.

Falls Alberto Fujimori tatsächlich Abgeordneter werden sollte, sehen Diplomaten unruhige Zeiten im Verhältnis zwischen Japan und den befreundeten südamerikanischen Staaten herannahen. Die Kandidatur des peruanischen und japanischen Doppelstaatsbürgers wirft nämlich nicht nur rechtliche Fragen auf, sie könnte vor allem politisch für heftige Verstimmung sorgen. Ein Sprecher der Regierung in Tokio sagte vorerst nur, dass Fujimori berechtigt ist, zu kandidieren. In Peru wird Fujimori bereits vorgeworfen, dass er sich dem drohenden Gerichtsverfahren durch die Wahl zum Abgeordneten entziehen will.

Das Erscheinen von Alberto Fujimori auf der politischen Bühne könnte in Teilen der Bevölkerung_Japans durchaus auf Wohlwollen stoßen. Denn vor allem in Tokio leben viele Südamerikaner. Sie sind häufig Nachkommen ausgewanderter Japaner, die in die Heimat ihrer Vorfahren zurückgekehrt sind. Wer seine japanische Abstammung nachweisen kann, hat erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt. (Andrea Waldbrunner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2007)

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    Alberto Fujimori droht in Peru der Prozess.

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