Deutschland: Zwei Atomkraftwerke nach Brand und Netzstörung abgeschaltet

2. Juli 2007, 17:40
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Behörden: Keine Gefahr für Bevölkerung - Kein Austritt von Radioaktivität

Hamburg - Zwei deutsche Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein sind am Donnerstag nach Zwischenfällen abgeschaltet worden. Im Atomkraftwerk Krümmel östlich von Hamburg brach am Donnerstag ein Feuer aus. In einer großen Trafostation entzündete sich nach Feuerwehrangaben Kühlflüssigkeit. Das Kraftwerk habe sich daraufhin automatisch abgeschaltet, teilte ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums mit.

Weder das Gebäude noch der Reaktor selbst seien durch den Brand betroffen worden. Für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, Radioaktivität sei nicht ausgetreten. Zuvor hatte es im Kraftwerk Brunsbüttel bereits eine Reaktorschnellabschaltung nach einem Netzproblem gegeben.

Nach Berichten von Augenzeugen hüllten riesige schwarze Rauchwolken das Atomkraftwerk Krümmel ein. Über die Trafostation wird der Strom in das Netz eingespeist. Weil die Station von dem eigentlichen Kraftwerk getrennt sei, habe keine Gefahr bestanden, sagte der Vattenfall-Sprecher. Nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace hätte sich der Brand aber auch über Kabeltrassen in den Reaktor ausbreiten können. Es habe daher eine Gefahr bestanden.

Die Brand-Meldung in Krümmel ging nach Angaben eines Sprechers der Polizei in Ratzeburg um 15.09 Uhr ein. Kurz vor 17.00 Uhr teilte ein Vertreter der Feuerwehr in Geesthacht mit, der Brand sei gelöscht. Die Rettungskräfte seien mit zehn Fahrzeugen angerückt.

Den Zeitpunkt der Abschaltung von Brunsbüttel gab das Sozialministerium mit 13.20 Uhr an. Dort hatte es eine Netzstörung gegeben, weswegen auch dieses AKW abgeschaltet wurde. Die Reaktorschnellabschaltungen seien ordnungsgemäß abgelaufen, sagte ein Sprecher. In Hamburg gab es am Nachmittag kurze Stromausfälle, die möglicherweise im Zusammenhang mit den Störungen stehen.

Das Kernkraftwerk Krümmel liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Hamburg an der Elbe im Ortsteil Krümmel der Stadt Geesthacht in Schleswig-Holstein. Nach knapp zehn Jahren Bauzeit erfolgte 1983 die erste Kernspaltung. Der Siedewasserreaktor mit einer Leistung von 1.346 Megawatt produziert jährlich 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom und liefert damit nach Angaben des Betreibers Vattenfall etwa 30 Prozent der insgesamt in Schleswig-Holstein erzeugten Strommenge.

Nach dem Jahresbericht des deutschen Umweltministeriums hat es 2006 in Krümmel die meisten "meldepflichtige Ereignisse" - nämlich 15 - gegeben. Meldepflichtig sind auch schon kleine Zwischenfälle wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder Stromsystemen. Immer wieder wurde über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Atomkraftwerk der in der Umgebung von Geesthacht festgestellten Häufung von Leukämie-Erkrankungen diskutiert. Mehrere wissenschaftliche Studien konnten bisher nicht den Nachweis für einen Zusammenhang erbringen.

Die Grünen haben den Brand als Beleg für die Risiken der Technologie gewertet und umfassende Aufklärung gefordert. "Der Vorfall darf nicht heruntergespielt werden", erklärte Parteichef Reinhard Bütikofer in Berlin. Das Atomkraftwerk Krümmel wird von den Konzernen Vattenfall Europe und E.ON betrieben. (APA/Reuters/dpa/AP)

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