Pädagogisch in Sherwood Forest

2. Juli 2007, 17:00
posten

Als Jugendbetreuerin in einem Ferienzeltcamp sollte man gerne in Gesellschaft sein und die Natur und Küchen­dienste nicht scheuen

Pädagogin Birgit Z. war im Sommer einige Wochen in einem internationalen Zeltcamp im englischen Sherwood Forest und das gleich mit mehreren Kindern und Jugendlichen. Im Gespräch mit derStandard.at/Karriere erzählt sie über ihre Erfahrungen zwischen Zeltstädten, Kindergruppen und Kochgeschirr.

derStandard.at: Wie ist es zu dem Kinderbetreuungsjob im Sherwood Forest gekommen?

Birgit Z.: Ich war vorher schon öfter mit Kindern und Jugendlichen in Ferienlagern in Österreich unterwegs. Dann hat man mir angeboten einige Wochen nach England zu fahren. Wir waren zwei Betreuerinnen mit sieben Kindern beziehungsweise Jugendlichen zwischen elf und 14 Jahren.

derStandard.at: Was war die große Herausforderung bei diesem Job?

Birgit Z.: Wir waren auf einem riesigen Zeltlagerplatz und haben uns dort selbst versorgt. Schwierig war es, die Jugendlichen zu motivieren sich auch daran zu beteiligen, zum Beispiel beim Küchendienst und Abwaschen, denn für sie war es ja Urlaub. Das hat nur mit viel Phantasie geklappt und wenn man ihnen erklärt hat, dass sie, wenn sie gern etwas zu essen hätten, mitmachen müssen. Manche Kinder waren es einfach gewohnt, dass ihnen alles zugetragen wird, das war dann schwierig.

derStandard.at: Womit hätten Sie nie gedacht konfrontiert zu werden, womit haben Sie nicht gerechnet?

Birgit Z.: Da ich schon öfter mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet habe, habe ich keine großen Überraschungen erlebt, aber man rechnet natürlich immer damit, dass etwas Außergewöhnliches passiert. Man darf nicht vergessen: die Kinder sind dort ja in den Ferien, hecken Streiche aus oder wollen am Abend weggehen. Da muss man immer den Überblick behalten.

derStandard.at: Wie sah ein ganz normaler Tag im Sherwood Forest aus?

Birgit Z.: Gegen acht Uhr früh war Tagwache. Immer eine andere Gruppe war für das Frühstück zuständig. Danach haben wir uns in einem so genannten 'morning circle' eingefunden, wo erklärt wurde, welche Angebote es für den jeweiligen Tag gibt und jeder konnte Wünsche und Beschwerden äußern. Dann war es die Aufgabe von uns Betreuerinnen den Tag zu organisieren.

Es gab Freizeitaktivitäten, die auf dem Campplatz angeboten wurden - verschiedene Kreativworkshops oder Sport. Wir sind mit unserer Gruppe zum Beispiel wandern gegangen, wir waren ja direkt in einem Wald. Die Nachmittage waren teilweise nach freier Gestaltung, am Abend hat es dann wieder ein Programm gegeben. Eine Gruppe war wieder fürs Kochen zuständig und fürs Abwaschen - die Betreuer natürlich auch. Um 24 Uhr war dann offiziell Nachtruhe. Wir haben also fast den ganzen Tag gemeinsam verbracht.

derStandard.at: Wie geht man damit um?

Birgit Z.: Wenn man wochenlang rund um die Uhr mit anderen zusammen ist, fehlt einem natürlich auch Zeit für einen selbst. Das war eigentlich das einzige, was manchmal genervt hat, aber das habe ich auch schon gewusst, bevor ich losgefahren bin. Sich zurückzuziehen war, wenn, dann nur für kurze Zeit möglich. Immerhin waren wir direkt unter dem freien Himmel, da kann man sich dann auch recht schnell perfekt entspannen - vorausgesetzt es regnet nicht.

derStandard.at: Wer sollte diesen Job nicht machen?

Birgit Z.: Man muss sich im Klaren sein, dass man für eine gewisse Zeit wegfährt und wenig Zeit für sich selbst hat. Außerdem braucht man sehr viel Geduld und Kreativität, denn die Jugendlichen wollen auch unterhalten werden. Selbstverständlich sollte man gerne mit ihnen arbeiten und mit ihnen umgehen können.

derStandard.at: Was war das schönste Erlebnis?

Birgit Z.: Es hat viele schöne Erlebnisse gegeben, weil dort Jugendgruppen aus der ganzen Welt waren. Man konnte mit den Jugendlichen viel Kreatives machen und natürlich auch Sport. Das beste war der interkulturelle Austausch. Zum Abschluss hat es zum Beispiel ein großes Fest gegeben, wo jedes Land etwas Typisches vorgestellt hat - das war das Schönste.

derStandard.at: Was war das Tolle an dem Job?

Birgit Z.: Es ist gut, dass die Jugendlichen aus dem gewohnten Umfeld wegkommen, dass sie neue Sprachen und Kulturen kennen lernen, neue Freunde treffen. Und dasselbe hat auch für mich selbst gegolten: die Begegnung mit anderen Betreuern, Zusammenleben in der Natur, interkultureller Austausch.

derStandard.at: Muss man manchmal auch mit sich selbst kämpfen?

Birgit Z.: Manchmal fühlt man sich schon überfordert. Dann muss man sich eben für kurze Zeit zurückziehen, sonst wird es zu viel.

derStandard.at: Würden Sie den Job wieder machen?

Birgit Z.: Ich würde es auf alle Fälle wieder machen, allerdings mit mehr Betreuern, damit man sich auch ab und zu abwechseln kann. Auf Dauer ist es eben sehr anstrengend.

derStandard.at: Sind Sie mit Aussagen konfrontiert worden wie "Der Job ist eh nur Urlaub"?

Birgit Z.: Mir ist das nicht passiert. Aber ich würde demjenigen raten, es selbst auszuprobieren

derStandard.at: Was machen Sie im Urlaub?

Birgit Z.: Entspannen am Meer...
(derStandard.at, mat, 2.7.2007)

  • Artikelbild
    foto: privat
  • Artikelbild
    foto: privat
Share if you care.