Gentechnik: "Forschungen nicht zu stoppen"

6. Juli 2007, 18:43
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Nobelpreisträger, zu Besuch in Wien, sehen Vorbehalte schwinden - Natur produziere "böse Dinge" besser als jedes Labor

Wien - Wenig Verständnis für die eher restriktive Haltung von Teilen Mitteleuropas, darunter Österreich, gegenüber bestimmten molekularbiologischen und gentechnischen Methoden äußerten die drei Nobelpreisträger Tim Hunt (Großbritannien), Roger Kornberg (USA) und Richard Roberts (Großbritannien) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Die Wissenschafter sind anlässlich des Zweiten Wiener Nobelpreisseminars in der Bundeshauptstadt. Die Veranstaltung Donnerstag Abend wird von der Universität Wien, der Medizinischen Uni Wien und den Wiener Vorlesungen organisiert.

Es sei nicht einzusehen, warum einem Embryo, der ohnehin vernichtet werden muss, nicht Zellen entnommen werden sollten, die später vielen Menschen helfen könnten, kommentierte Roberts (Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1993) die hierzulande gängige ablehnende Haltung gegenüber Forschung an embryonalen Stammzellen. Dass derlei Techniken auch zu Missbrauch führen könnten, dass etwa Menschen als reine Ersatzteillager für andere produziert würden, ist für die Experten auch nicht unbedingt eine Frage der Wissenschaft, sondern der Gesellschaft. Auch Klonen ist für Hunt (Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2001) per se "kein Alptraumszenario".

"Forschungen nicht zu stoppen"

Wenn es um die Produktion von "bösen Dingen" geht, beispielsweise Krankheitserreger, so sei die Natur bis heute um Klassen besser als jedes Labor, betonte Roberts. Kornberg (Nobelpreis für Chemie 2006) ist zudem überzeugt, dass die Haltung einzelner Länder nicht wirklich eine Rolle spielt. "Die Forschungen sind nicht zu stoppen", sagte der Wissenschafter. Die Nobelpreisträger dämpften aber gleichzeitig Hoffnungen, dass die Feinheiten der Genetik in absehbarer Zeit auch nur annähernd zu verstehen sind. Selbst wenn wir die Funktion aller Gene kennen, und nicht einmal das ist der Fall, wartet praktisch die gesamte und aus heutiger Sicht unüberschaubare Genregulation auf die Erforschung. Heute funktioniert das Ganze praktisch noch als so genannte Blackbox. Man weiß in etwa was hineingeht und was herauskommt, was drinnen passiert ist noch weitgehend unklar.

Proteinregulierung

So präsentierte Kornberg Detailarbeiten an einzelnen Genen. Ein solches Gen codiert bekannterweise für ein bestimmtes Protein, so weit, so gut. Allerdings seien an der Regulation, also wann und in welcher Menge das Protein produziert wird, zumindest 75 andere Proteine beteiligt. Dabei kontrollieren sich diese Stoffe teilweise auch selbst, es gibt eine Art Hierarchie, verschiedene Levels der Regulierung. Die ganzen Vorgänge rund um die Gen-Regulation ist jedenfalls die Herausforderung der kommenden Jahre und Jahrzehnte für die Wissenschaft. (APA)

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    Roger Kornberg, Tim Hunt und Richard Roberts (v.l.n.r.)

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