Mobiles Breitband im Test: Speed und Qualität stimmen nicht

2. Oktober 2007, 10:53
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AK: Festnetz noch immer deutlich schneller und qualitativ besser - Datenkarten besonders in Wohnhausanlagen oder Studentenheimen instabil

Mobile Datenkarten für Notebooks boomen, doch die Leistung und Qualität von fixen Internetverbindungen haben sie noch bei weitem nicht erreicht. Besonders ärgerlich dabei: Die von den Mobilfunkern versprochenen Übertragungsraten sind weit übertrieben, so das Ergebnis einer Studie der Arbeiterkammer gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT).

Nicht einmal ein Fünftel

"Durchschnittlich wird mit 868 Kbit/s in Landeshauptstädten nicht einmal ein Fünftel, in ländlichen Gemeinden mit 499 Kbit/s gar nur ein Siebentel der beworbenen "maximalen" Geschwindigkeit von 3.600 tatsächlich erreicht. Business-Anwendungen, Multi-User-Games, große Downloads und VoIP-Telefonie sind daher vielerorts mit mobilem Internet nicht zufriedenstellend nutzbar", so die Studienautoren. Die angegebenen Downloadraten wurden nicht einmal erreicht, wenn freier Sichtkontakt und eine Entfernung von nur 50 Metern zum nächsten Sender gegeben war, hieß es.

"Geteilten Bandbreite"

Wobei grundsätzlich gilt: Je mehr User gleichzeitig in einer Funkzelle surfen, desto drastischer fällt die Geschwindigkeit. Dieses Prinzip der "geteilten Bandbreite" innerhalb einer Mobilfunkzelle, das mobile Internetzugänge technisch wesentlich von Festnetzzugängen (ADSL, XDSL) unterscheidet, führt vor allem in dicht verbauten Gebieten, größeren Wohnhausanlagen, Studentenheimen etc. immer wieder dazu, dass eine zufriedenstellende Nutzung vorübergehend oder dauerhaft nicht möglich ist.

Übermäßig lange Vertragsbindungszeiten

Die Studienautoren empfehlen potenziellen Datenkarten-Käufern, sie sollten die versprochenen Geschwindigkeiten vor dem Kauf am Haupteinsatzort testen. Weiterer Tipp: Wegen des allgemein rasch sinkenden Preisniveaus sollte der Vertrag vor Abschluss auf übermäßig lange Vertragsbindungszeiten und eventuelle Preiserhöhungen nach einer Einführungsaktion geprüft werden.

A1

Obwohl zumeist ebenfalls weit entfernt von den in der Werbung kommunizierten Bandbreiten, konnte sich das mobile Internet-Angebot von A1 mit 1089 Kbit/s quer über alle Messungen hinweg als das durchschnittlich schnellste beim Download behaupten, knapp gefolgt vom mobilen Internet-Angebot von T-Mobile mit einer erzielten durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 978 Kbit/s. Etwas abgeschlagen sind die Angebote von "3" (durchschnittlich 640 Kbit/s) und ONE (605 Kbit/s), die im städtischen Bereich den anderen beiden Anbietern zwar meist ebenbürtig waren, bei den Tests in Landgemeinden aber deutlich niedrigere Übertragungsraten als A1 und T-Mobile erzielten.

Latenzen

Ein Problem das allen Daten-Karten-Angeboten zuteil wird sind die deutlichen Verzögerungen von durchschnittlich 200 ms. Dadurch sind schnelle Online-Spiele aber auch effizientes VoIP nicht reibungslos möglich.

Installation

Einer der viel beworbenen Vorteile der Daten-Karten sei laut den Mobilfunker die vergleichsweise rasche Installation. In der Praxis bestätigt sich dies auch laut dem AK-Bericht - zumindest bei Computern mit Windows XP. Bei Vista und Mac OS X kann es zu Problemen kommen. Oft müssen hier die Service-Stellen nachhelfen.

Extras

Zusätzlich zum mobilen Breitband bieten die Betreiber die Möglichkeit durch die mitgelieferte Software SMS zu verschicken. Die AK hat nach eigenen Angaben keinen Test diesbezüglich durchgeführt. Im WebStandard-Test letzten Jahres funktionierte der Dienst zwar in der Regel, hier sollten sich die Benutzer jedoch nach den genauen Tarifen erkundigen. Denn Kurzmitteilungen sind in das Guthaben nicht inkludiert.

690 Einzelmessungen

Über 690 Einzelmessungen wurden im Mai und Juni 2007 in Wien, Linz, St. Pölten, Eisenstadt, Graz und Innsbruck, den Vororten dieser Landeshauptstädte und in verschiedenen Landgemeinden durchgeführt. Getestet wurde die praktische Nutzung alltäglicher Internetanwendungen (z. B. Software-Updates, Musik-Downloads etc.) mit mobilen Internet-Zugängen. Dokumentiert und ausgewertet wurden im Rahmen des Tests die tatsächlich erreichten Up- und Download-Geschwindigkeiten, die Verzögerungszeiten und Datenverluste bei der Übermittlung, sowie die Geschwindigkeit des Verbindungsaufbaus.(APA/red)

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