Brown holt sich jungen Außenminister

2. Juli 2007, 16:35
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Davis Miliband wechselt vom Umweltressort - Alistair Darling Schatzkanzler - Jacqui Smith wird erste Innenministerin

London - Mit einer Mischung aus bewährten Routiniers und jungen Aufsteigern in seiner Regierung will der neue britische Premier Gordon Brown seine angekündigte Erneuerung personell umsetzen. Die größte Überraschung in dem am Donnerstag präsentierten Kabinett ist der neue Außenminister David Miliband (41), der bisher das Umweltministerium leitete und in der internationalen Politik bisher nicht in Erscheinung trat.

Die Berichte der britischen Medien über Gordon Browns erstes Kabinett wechselten einander am Donnerstag ab mit Bildern aus dem Irak und aus der Flutzone Nordenglands - beides Themen, die die neue Regierung gleich bei der ersten Kabinettssitzung am Nachmittag beschäftigten. Im Irak fielen drei britische Soldaten einem Bombenanschlag zum Opfer, ein vierter schwebte schwerverletzt in Lebensgefahr. Im Überschwemmungsgebiet rächt sich die sorglose Baupolitik der letzten Jahre; Wissenschafter machen zudem die Klimaveränderung für die sintflutartigen Regenfälle verantwortlich.

Um die Umweltpolitik kümmert sich in Zukunft der bisherige Entwicklungshilfe-Minister Hilary Benn. Er zählt ebenso zum Dutzend bewährter Minister aus dem letzten Kabinett Tony Blairs wie Verteidigungsminister Des Browne, der zusätzlich die Zuständigkeit für Schottland übernimmt. In andere klassische Kernressorts aber berief der Premier getreu seiner Ankündigung von Wechsel und Erneuerung junge Newcomer: Der 41-jährige David Miliband wird Außenminister, Jacqui Smith (44) amtiert als erste Frau im Innenministerium. Browns enger Vertrauter Ed Balls (40), soll die Bildungspolitik erneuern. Das Kulturressort leitet James Purnell, im Schatzkanzleramt wird Andy Burnham Staatsminister - beide Politiker sind 37 Jahre alt.

Ein "Kabinett aller Talente" hatte Brown angekündigt und damit Erwartungen geweckt, er werde auch Politiker anderer Parteien einbinden. Von diesem Vorhaben ist nur noch der Plan übrig geblieben, die frühere Labour-Politikerin Shirley Williams (76) zur Beraterin bei der Nuklearabrüstung zu machen. Williams sitzt mittlerweile für die Liberaldemokraten im Oberhaus.

Wenig Sympathie dürfte Brown bei den Gewerkschaften für seinen Plan ernten, prominente Kaufleute und Banker in einem Beraterausschuss zu vereinen. Neben dem Chef der größten Einzelhandelskette Tesco soll dem Gremium auch der bekannteste Private-Equity-Manager, Damon Buffini, angehören.

Im Kabinett gibt es künftig 22 Vollmitglieder und sieben Angehörige, die gelegentlich an den Sitzungen teilnehmen. Im Vollzeit-Kabinett sitzen fünf Frauen 17 Männern gegenüber. Für Kontinuität sorgen vier Minister, die bereits 1997 in Blairs erstem Kabinett dienten: Neben Gordon Brown selbst die Vizeparteivorsitzende Harriet Harman, der neue Justizminister Jack Straw sowie Browns treuer Gefolgsmann Alistair Darling, der die Tradition eines Schotten im Schatzkanzleramt aufrechterhält. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2007)

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    Erste Sitzung des Kabinetts Brown. Rechts neben dem Premier Jack Straw, der schon Außen- und Innenminister war und jetzt das neu geschaffene Justizressort leitet.

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