
Der Bregenzerwald will als Idylle der Nachhaltigkeit in die Welterbe-Liste
Andelsbuch - Ob der Bregenzerwald das neunte österreichische Welterbe wird, ist noch ungewiss. Das entscheidende Unesco-Gremium tagt bis 1. Juli. "Wahrscheinlich wird unser Antrag aufgeschoben", sagt Anton Wirth, Bürgermeister von Andelsbuch und Obmann der Regionalentwicklung Bregenzerwald, jenem Zusammenschluss der 22 Gemeinden, der die Eintragung in die Welterbe-Liste aktiv betreibt. Wirth begründet seine Skepsis: "Wir erfuhren erst über die ICOMOS-Experten, die zur Begutachtung gekommen sind, dass wir mit der Bewerbung einen Managementplan einreichen hätten müssen." Bei anderen Welterbe-Stätten wie Fertö/Neusiedler See oder Graz habe man den Plan als Nachreichung akzeptiert, sagt Wirth.
Rat für Denkmalpflege Im Jänner 2006 hat die Region Bregenzerwald ihre Bewerbung eingereicht, im Oktober kamen Experten des International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) zum Lokalaugenschein. Der internationale Rat für Denkmalpflege bemängelte das Fehlen eines Managementplans. Die Welterbekonvention fordert nicht nur eine umfangreiche Antragsbegründung, sondern auch eine klare Strategie der Bewerber, wie sie ihr herausragendes Kultur- und Naturgut erhalten, pflegen und entwickeln wollen.
Diesem Managementplan nähert man sich in der für den Bregenzerwald üblichen Politik der kleinen Schritte. Im Frühling lud man über Lokalmedien die Bevölkerung zum Mitdenken ein, mehrere Workshops wurden abgehalten, 140 Menschen beteiligten sich. Zu spät habe man mit dem Prozess begonnen, man hätte die Bevölkerung befragen müssen, die Jugend integrieren, wird kritisiert. "Diese Kritik geht ins Leere", kontert Wirth. Man habe sich auf 14 Leitziele geeinigt, in den nächsten Monaten werde man Maßnahmen und Aktionen zur Umsetzung erarbeiten.
Nachhaltigkeit
Im Zentrum der Bregenzerwälder Bewerbung steht die Kulturlandschaft, geprägt von der Dreistufen-Landwirtschaft der Bergbauern mit ihren drei Ebenen Heimatgut, Vorsäß und Alpe. "Ein System, das sich durch Nachhaltigkeit auszeichnet", steht in der Bewerbung. Die Landwirtschaft habe sich geändert, sagen Kritiker, Turbokühe schädigten die Alpen. Anton Wirth räumt ein, "dass die Landwirtschaft im Wandel ist".
Wie immer die Entscheidung der Unesco ausfallen werde, die Bewerbung sei eine "riesengroße Chance für die Region". Nicht nur für die Vermarktung, sondern auch eine Chance, "über unsere Zukunft nachzudenken, Entwicklungsziele zu setzen". (Jutta Berger/DER STANDARD Printausgabe 28.6.2007)
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