Katholische Priester mit offizieller Frau und Kindern gibt es

4. Juli 2007, 17:09
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Katholische Priester, die in einer offiziellen Ehe mit vier offiziellen Kindern leben, gehören einer Minderheit an - mit Kommentar

25 Jahre glücklich verheiratet, Vater von vier Kindern und seit 15. Juni offiziell einer von sieben neuen katholischen Priestern in der Erzdiözese Wien. Der künftige Kaplan Gerhard Höberth hat den Zölibat mit Unterstützung von Papst Benedikt XVI. elegant umgangen.

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Wien - "Ich hab ja auch manchmal ein schlechtes Gewissen. Es ist halt eine sehr komplexe Situation". Gerhard Höberth weiß, dass ihm Mitte Juni etwas "ganz Besonders" wiederfahren ist. Der Schauplatz der besonderen Erfahrung: der Wiener Stephansdom. Sieben Priesteranwärter gingen am 15. Juni vor Christoph Kardinal Schönborn demütig zu Boden, um als geweihte, katholische Priester wieder aufzustehen.

Päpstliche Freistellung zur Ehelosigkeit

Mit dabei war auch Gerhard Höberth - samt seiner Frau und vier Kindern. Nein, an der eisernen Zölibatsfrage innerhalb der Katholischen Kirche hat sich nichts geändert, Gerhard Höberth aber ist einer der wenigen, die eine so genannte Zölibatsdispens erhalten haben. Verstanden wird darunter eine vom Papst erteilte Freistellung eines Priesters von der Verpflichtung zur Ehelosigkeit.

Ehe auf dem Prüfstand

Die bemerkenswerte Geschichte nahm Ende 2004 ihren Anfang. Gerhard Höberth war bis zu dieser Zeit im oberösterreichischen Gosau als evangelischer, lutherischer Pfarrer tätig, entscheidet sich dann aber, zum katholischen Glauben zu konvertieren. "Es ist mir nicht leicht gefallen und ich habe sehr lange darüber nachgedacht. Letztlich habe ich aber gemerkt, dass ich mich in Bezug auf das Verständnis der Sakramente eher im Katholischen zuhause fühle", schildert der 47-Jährige im STANDARD-Gespräch seine Beweggründe für den Glaubenswechsel.

Mit der Konvertierung stellte der "Familienpriester" bei Kardinal Schönborn als zuständigen Ortsbischof einen entsprechenden Antrag auf eine Dispens. Der Sanktus des Heiligen Vaters zur Weihe trotz Trauschein kam dann Ende Oktober 2006.

Da wird alles überprüft

"Natürlich ist es eine Zitterpartie. Es gibt ja absolut keine Garantie dafür, dass Rom der Weihe zustimmt", so Höberth. Genau unter die Lupe hat die Glaubenskongregation vor allem die Ehe des Neu-Priesters genommen. "Da wird alles überprüft. Aber da wir 25 Jahre glücklich verheiratet sind, gab es keine Einwände", erzählt der künftige Kaplan.

Offizielle Kinder

Katholische Priester, die in einer offiziellen Ehe leben und auf vier ebenso offizielle Kinder verweisen können, gehören in Österreich erwartungsgemäß einer Minderheit an. "So etwas kommt bei uns ganz selten vor", weiß Erich Leitenberger, Sprecher von Kardinal Schönborn. Warum man trotz klarem Ja zum Zölibat verheiratete Männer zum Priester weiht? "Was sollen wir tun. Wir können nicht einem, der aus einer gefestigten Lebenssituation kommt, sagen, er soll seine Familie in die Wüste schicken", so Leitenberger.

Bei den Protestanten drückt Rom alle Augen zu

Für Ludwig Puchinger, verheirateter Priester und Sprecher von "Priester ohne Amt" in Oberösterreich, misst Rom mit zweierlei Maß: "Es ist einfach kurios. Wie soll dieses Hin und Her bitte auch nur irgendein Katholik an der Basis verstehen". Doch nicht nur bei den Protestanten drückt Rom alle Augen zu. Auch in den unierten orthodoxen Kirchen (unter der Jurisdiktion der römisch-katholischen Kirche stehend) dürfen Verheiratete Priester werden.(Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe 28.6.2007)

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