Staub, Zucker und Klebeband

1. Juli 2007, 19:22
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Igor Eskinja zeigt in der Wiener Galerie Krobath Wimmer vor wie man mit Klebeband eine Ausstellung baut

Für seine minimalistischen Installationen und Eingriffe hat der kroatische Künstler Igor Eskinja 2006 den in 28 Ländern ausgeschriebenen Henkel Art Award erhalten. In seiner ersten Einzelausstellung in Wien zeigt er, wie man mit Klebeband eine Ausstellung baut.

Der Transport der Ausstellungsmaterialien dürfte mindestens ebenso billig gewesen sein wie die Materialien, die der 1975 in Rijeka geborene Künstler bevorzugt verwendet: Zucker oder Staub, aber eben auch Klebeband, von dem er in seiner Wiener Ausstellung dann aber doch einige Rollen verbraucht haben dürfte. Zu sehen ist dort ein riesiges Wandgemälde, Kabel, die die Form eines Mikrofons nachstellen, ein Teppich aus Staub, der im Vorbeigehen zerfällt, aber auch einige seiner "Kartonschachteln", die er in der Galerie mit Klebeband nachskizziert hat.

Um diesen eine räumliche Wirkung zu geben, bedient er sich eines einfachen Kunstgriffs: Er setzt die mit Klebeband nachgezeichneten Konturen der Schachteln auf dem Boden fort, wodurch - zumindest aus der richtigen Perspektive betrachtet - der Eindruck von Dreidimensionalität entsteht. Ändert der Betrachter den Standpunkt, geht die räumliche Illusion freilich verloren, obwohl sie im Raum für jemanden anderen möglicherweise weiter besteht.

Festgehalten werden diese illusionistischen Effekte, die der Künstler nach seinen Ausstellungen meist wieder zerstört, auch mit dem Medium Fotografie. In der Galerie hängt eine Arbeit, die neben dem Festhalten der richtigen Perspektive aber noch einem weiteren Zweck gedient hat: Staubzucker zeichnet auf dieser einen Warencode nach, der sich später ganz ohne Zutun des Künstlers wieder in Luft aufgelöst hat. (cb/ DER STANDARD, Printausgabe 28.6.2007)

Galerie Krobath Wimmer
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien
  • Klebeband-Ordner mit geringer Tiefe und Papierkorb mit wesentlich größerem Fassungsvermögen: Installation "Desktop" (2006) von Igor Eskinja.
    foto: galerie krobath wimmer

    Klebeband-Ordner mit geringer Tiefe und Papierkorb mit wesentlich größerem Fassungsvermögen: Installation "Desktop" (2006) von Igor Eskinja.

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