Fehlbesetzung

3. August 2007, 19:48
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Blairs Naheverhältnis zum meistgehassten Mann im Mittleren Osten hat ihn selbst nachhaltig beschädigt

Als die erste Meldung darüber auftauchte, dass es Tony Blair nach seinem Abgang in Großbritannien in levantinische Gefilde verschlagen könnte, und zwar als Sonderbeauftragter des Nahost-Quartetts, mochte man zuerst an eine Ente denken. Wenn man ein negatives Profil erstellen würde, mit den Anforderungen, die ein Nahost-Vermittler nicht haben sollte, Blair würde es glatt schaffen, fast alle zu erfüllen.

Der Gerechtigkeit halber: Der Ex-Premier ist sich der Bedeutung bewusst, die eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts nicht nur für die direkt Beteiligten, sondern für die ganze Region hat. Die Briten gelten allgemein, von außen betrachtet, im Nahostkonflikt als in der Mitte stehend, was man daran ablesen kann, dass sie von beiden Seiten, Israelis und Palästinensern, als einseitig kritisiert werden. Blair hat außerdem bekanntlich bei George Bush einen Stein im Brett und könnte ein europäischer Einflüsterer des US-Präsidenten werden.

Bisher war es aber nur umgekehrt, außerdem ist Bush bald weg, wobei gerade Blairs Naheverhältnis zum meistgehassten Mann im Mittleren Osten ihn selbst nachhaltig beschädigt hat. Nicht dass die arabische Vox populi das einzige Kriterium sein sollte - aber es wäre, höflich gesagt, von Vorteil, wenn einem, der zwischen zwei Seiten vermitteln soll, ein Minimum von Respekt von beiden entgegengebracht würde. Aber Blairs fast schon religiöser Eifer im Irakkrieg und besonders die Unfähigkeit zur realistischen Neubewertung der Lage, die er gerade in seiner Abschiedsrede wieder vorgeführt hat, irritieren auch außerhalb der Grenzen der arabischen und islamischen Welt.

Und da ist noch nichts zur historischen Rolle Großbritanniens in der Region gesagt. Im Irak hat man nach 2003 gemeint, die Briten könnten es gerade deswegen besser als die Amerikaner. So à la: Damals haben sie es zwar verbockt, aber gerade deshalb machen sie gewisse Fehler nicht. Doch das war genau jene Zeitungsente, die die Blair-Ernennung leider nicht war. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2007)

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