Hexenjagd gehört nicht überall der Vergangenheit an

1. Juli 2007, 09:12
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Konferenz in Norwegen: Bis heute werden Tausende verfolgt, besonders Frauen und Kinder, die weniger soliden gesellschaftlichen Status haben

Oslo - Auch wenn es Hexenverfolgungen in Europa schon seit Hunderten Jahren nicht mehr gibt, gehören sie in anderen Regionen der Welt lange nicht der Vergangenheit an. Mit dem Phänomen der Hexenjagd befassen sich ab Donnerstag in der norwegischen Stadt Vardoe rund 60 internationale Expertinnen und Experten auf einem dreitägigen Kongress.

Tausende Opfer

Vor allem in Afrika, Mexiko, Indien, Indonesien und Malaysia würden auch heute noch Menschen als angebliche Hexen/r verfolgt, sagt Rune Blix Hagen, einer der OrganisatorInnen. "In diesen Ländern wurden in den vergangenen 50 Jahren mehr Hexen getötet als damals in Europa", so der Historiker von der Tromsoe Universität. Im 16. und 17. Jahrhundert starben in Europa mehr als 50.000 der Hexerei Beschuldigte auf dem Scheiterhaufen.

Ähnlich wie in der Vergangenheit würden die wegen Hexerei verfolgten Menschen zu Sündenböcken für Krankheiten, schlechte Ernten, Unglücke und andere Missstände gemacht, sagte Hagen. In der Demokratischen Republik Kongo seien beispielsweise tausende behinderte und an HIV erkrankte Kinder der Hexerei beschuldigt und von selbst ernannten Priestern getötet oder auf den Straßen ausgesetzt worden.

Neue Begeisterung für Okkultismus

In Afrika würden hauptsächlich Frauen und Kinder wegen angeblicher Hexerei verfolgt, sagt die Wissenschafterin Riitta Leinonen. "Die Männer sind weniger verwundbar, weil ihr sozialer Status solider ist." Während Hexenverfolgungen in einigen Teilen der Welt zunähmen, steige gleichzeitig die Begeisterung für Okkultismus und heidnische Religionen. Dabei würde der Schwerpunkt auf positive Magie und Heilpraktik gelegt, sagte Hagen. Auch die Romane um den Zauberlehrling Harry Potter von Joanne K. Rowling und Fernsehserien wie "Charmed - Zauberhafte Hexen" hätten die Begeisterung für die positiv ausgerichtete Hexerei befördert.

An der Konferenz in Vardoe nehmen ForscherInnen aus Deutschland, Australien, Großbritannien, Island, Norwegen, Schweden und den USA teil. Die Hauptthemen lauten "Hexenkraft in Literatur und Geschichte", "Folter, Verfolgung und Menschenrechte" sowie "Hexen, Schamanen und Dämonen". Vardoe war im 17. Jahrhundert berüchtigt für seine Hexenprozesse. (APA)

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