Geraubte Heilige Barbara

27. Juni 2007, 17:32
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Schwierige Verhandlungen um ein Relief aus der Sammlung Jenny Steiner, das "im Kinsky" nicht versteigert wurde

Wien – Im Rahmen der 63. Kunstauktion hätte "im Kinsky" vergangenen April das um 1500 datierte Relief "Enthauptung der Heiligen Barbara" zur Versteigerung gelangen sollen. Geschah aber nicht. Weil es sich nämlich um Raubkunst handelte, um ein aus der Sammlung Jenny Steiner stammendes Kunstwerk. Das Auktionshaus ließ sein Angebot im Vorfeld vom Art Loss prüfen. Das Ergebnis lautete, kein Objekt sei als bedenklich einzustufen.

Das Relief fiel durch den Datenbank-Rost, weil es zwar seit Jahren bei Lostart gelistet ist, Art Loss diese öffentlichen Daten tatsächlich aber nur sporadisch nutzt.

Im Auftrag der Erben nach Jenny Steiner erwirkte Rechtsanwalt Alfred Noll, dass das auf 15.000 bis 25.000 Euro taxierte Relief zurückgezogen wurde. Die Einbringer, privat und damit ohne rechtliche Verpflichtung zur Restitution, waren und sind noch am Zug. Das über das Auktionshaus unterbreitete Angebot: eine 15-Prozent-Beteiligung am Verkaufserlös, zehn Prozent seitens der verkaufswilligen Einbringer und fünf Prozent vom Auktionshaus.

"Alles unter 30 Prozent ist lachhaft", kommentiert Rechtsanwalt Alfred Noll gegenüber dem STANDARD, gilt es doch, diese auf drei Erbenlinien zu verteilen.

Seit vergangener Woche können die Verhandlungen als gescheitert betrachtet werden. Mit ein Grund, das deutsche Sammlerehepaar – sein Name ist der Redaktion bekannt – hatte das Relief 1988 beim Münchener Auktionshaus Hermann Historika ersteigert, nach deutschem Recht also nach zehn Jahren Eigentum erworben.

Laut Otto Hans Ressler sei nun ein neues Angebot im Gespräch: 20 Prozent vom Verkaufserlös. "Die Einbringer wollen zumindest jenen Betrag, den sie bezahlt haben." Dieser lag laut Alfred Noll bei umgerechnet 12.990 Euro, und damit sogar unter dem Limit der ursprünglichen Taxe.

Geht man vom bisher geschätzten Maximum aus, geht es um 3750 Euro (15 Prozent) kontra 7500 Euro (30 Prozent). Was bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen sollte: Scheitern die Verhandlungen endgültig, dann ist das Relief ohnedies nicht mehr verkäuflich. (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2007)

  • Scheitern
die Verhandlungen um die Rückgabe an die Erben nach Jenny Steiner, ist das Relief "Enthauptung der Heiligen Barbara" nicht mehr verkäuflich.
    foto: kinsky

    Scheitern die Verhandlungen um die Rückgabe an die Erben nach Jenny Steiner, ist das Relief "Enthauptung der Heiligen Barbara" nicht mehr verkäuflich.

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