Kunstsammler in Spendierhosen

27. Juni 2007, 16:42
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Zeitgenossen-Aktionen in London: Damien Hirst erobert mit "Lullaby Spring" den Rekord bei Sotheby's

London – Das Duell am Seerosenteich entschied Sotheby's vergangene Woche klar für sich, als man im Rahmen der Auktion "Impressionist & Modern Art" Monets "Nymphéas" für 18,5 Millionen Pfund weiterreichte. Zum Vergleich: Christie's spielte mit 17,94 Millionen Pfund für die Waterloo Bridge zwar in der gleichen Rekordliga, aber für das Vergleichsmotiv ("Les arceaux de roses", Giverny, 1913) fiel der Hammer bereits bei 8,98 Millionen Pfund.

Ab Mitte der Woche stand in London dann die Sparte Zeitgenössisches im Mittelpunkt. Ungeachtet jüngerer Messen, zeigte sich das Publikum besonders spendierfreudig. Der Auftakt oblag bei Christie's, die am Abend des 20. Juni 101 Werke der Sparte Post War & Contemporary anboten. Den Zieleinlauf schafften 90 mit einem Umsatztotal von 74,04 Millionen Pfund (109,55 Mio Euro).

Den Topzuschlag bewilligte ein anonymer Bieter für Lucian Freuds "Bruce Bernard" mit 7,86 Millionen Pfund (11,62 Mio. Euro), dem bisherigen Freud-Rekord und für 24 Stunden der höchste für einen lebenden europäischen Künstler bezahlten Preis. Denn am Abend des 21. Juni zog Sotheby's nach: Zuerst war Francis Bacons "Selbstporträt" von 1978 einem Amerikaner 21,58 Millionen Pfund (43 Mio Dollar) wert – der höchste in der vergangenen Woche in London erteilte Zuschlag überhaupt.

Dann deponierte ein anonymer Käufer für Damien Hirsts "Lullaby Spring" 9,6 Millionen Pfund, womit Sotheby's im Kampf um den Titel "Höchstes Auktionsergebnis eines lebenden Künstlers" diesen vorläufig für sich entschied.

Die Wochenbilanzen: Bei Christie's summierte sich die Nachfrage aus fünf Auktionen auf 237 Millionen Pfund (349,6 Mio Euro), bei Sotheby's nach sechs Sitzungen auf 204,76 Millionen Pfund (303,5 Mio Euro). Den Schlussakkord steuerte Phillips de Pury bei. Hier wechselten am 22. Juni 87 Prozent der Offerte für 23,32 Millionen Pfund den Besitzer. Den höchsten Preis sicherte sich Jean-Michel Basquiats "Grillo" mit 4,98 Millionen Pfund. Zur Freude Simon de Purys – bei der ersten Auktion zeitgenössischer russischer Kunst in Moskau 1988 war er noch Mitarbeiter von Sotheby's – lieferten auch Ilya Kabakov ("Le Chambre du Luxe", 2,03 Mio Pfund) oder Eric Bulatov ("Ne Prisionyatasa – Do Not Lean", 916.000 Pfund) eine gute Performance. (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2007)

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9,65 Millionen Pfund bewilligte ein Bieter bei Sotheby's in London für Damien Hirsts "Lullaby Spring".
    foto: sotheby's

    9,65 Millionen Pfund bewilligte ein Bieter bei Sotheby's in London für Damien Hirsts "Lullaby Spring".

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