Bewerbungs-Weg mit Stolpersteinen

4. Juli 2007, 23:41
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Die Probleme vom verpatzten Start bis zur Entscheidung

Salzburg - Salzburgs Weg der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 war mit zahlreichen Stolpersteinen gesäumt. Das Bewerbungsteam und Aufsichtsrats-Chef Bürgermeister Heinz Schaden mussten sich immer wieder im Krisen-Management beweisen und haben wohl das eine oder andere graue Haare abbekommen. Und wenn sie sich am 4. Juli in Guatemala (Ortszeit) beim Finale präsentieren, tun sie es nicht mehr als der überlegene Favorit, als der man lange Zeit galt.

Begonnen hat das Unternehmen mit einem klassischen Fehlstart: Im April 2005 und damit nur wenige Monate nach der neuerlichen innerösterreichischen Nominierung, sprachen sich rund 60,5 Prozent der Stadt-Salzburger in einem Bürgerbegehren gegen ein neuerliches Antreten nach 2006 (da scheiterte man schon in der Österreich-Ausscheidung gegen Klagenfurt) und 2010 aus. Die Stadtpolitik vermutete das hohe finanzielle Risiko als Hauptgrund für die Abfuhr. Zwei Monate später einigten sich daher Bund, Land, Stadt und die geplanten Austragungsgemeinden über die Ausfallshaftung und Finanzierung der Bewerbung, so dass sich der Gemeinderat am 6. Juli 2005 mit 29:11 Stimmen dennoch für eine neuerliche Kandidatur aussprach.

Im Oktober 2005 wurde schließlich der Geschäftsführer der Österreichischen Sporthilfe, Toni Schutti, als Chef der Salzburger Olympiabewerbung präsentiert. Doch dann kamen die Winterspiele 2006 in Turin: Salzburg wollte kräftig die Werbetrommel rühren, in den Schlagzeilen standen aber dann Österreichs Nordische mit den Dopingvorwürfen. Und schon kurz nach Ende der Spiele warf Schutti das Handtuch, weil im Zusammenhang mit Turin böse Gerüchte gegen ihn lanciert worden waren. Noch am Tag des Rücktrittes präsentierte Schaden Fedor Radmann als Nachfolger, der Franz Beckenbauers rechte Hand bei der Vorbereitung zur Fußball-WM in Deutschland gewesen war.

Im Herbst dann der nächste Stolperstein: Das IOC teilte mit, dass die garantierten Einnahmen aus den TV-Rechten viel niedriger seien, als Salzburg budgetiert hatte. In mehreren Krisensitzungen wurde danach am Haushalt herumgefeilt, bis am Ende ein 965-Millionen-Dollar-Budget herauskam, das zwar ausgeglichen ist, das aber vom IOC wegen der geringen Höhe kritisiert wurde. Dass das IOC außerdem just in diesen kritischen Wochen die Umfrage über die Zustimmung der Bevölkerung durchführen ließ, blieb nicht ohne Folgen. Denn laut dieser Umfrage stehen nur 42 Prozent der Salzburger hinter der Kandidatur, was mit Abstand der schlechteste Wert der drei Kandidaten ist.

Heuer im Jänner musste dann der Landtag eine Sondersitzung einschieben: Die Pongauer Gemeinden durften nämlich keine Ausfallshaftung in unbegrenzter Höhe eingehen, weshalb das Land einspringen musste.

Und wenige Tage vor Abgabe des zweiten Dokuments die nächste Hiobsbotschaft: Radmann musste seine Funktion aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen. Der frühere Olympia-Sieger Franz Klammer wurde als internationales Gesicht der Bewerbung vorgestellt. Er, Vertreter des ÖOC und Politiker sollten von da an international für Salzburg werben, die Geschäftsführung übernahmen die schon bis dahin leitenden Mitarbeiter Gernot Leitner und Rudolf Höller.

Ob Zufall oder nicht, aber nur gut zwei Monate vor der Vergabe der Spiele dann der nächste Hammer: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach wegen der Doping-Vorfälle von Turin gegen sechs österreichische Sportler lebenslange Sperren aus. Und noch einen Monat später strich das IOC Förderungen für Österreich in der Höhe von einer Million Dollar und forderte Österreich auf, innerhalb einer bestimmten Frist Konsequenzen nachzuweisen. In der Folge legte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel seine Funktion als ÖOC-Vizepräsident zurück.

Und weil dies noch immer zu wenig war, brachte am 4. Juni auch die Veröffentlichung des Berichtes der Evaluierungskommission einen Dämpfer für Salzburg: Das Konzept selbst wurde darin zwar als "exzellent" bezeichnet, die Präsentation aber nur mehr als "sehr gut" mit einigen fehlenden Details. Zudem wurden einige Punkte kritisiert, wie eben das geringe Budget. Als Favorit gilt seither das südkoreanische Pyeongchang. (APA)

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