Eine Frage des Stils

27. Juni 2007, 13:29
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CPI-Vorstand Jörg Schuster erklärt im STANDARD-Gespräch sein ganz spezielles Zinshaus- Sanierungsmodell

"Wunderschöner Stilaltbau" - man kennt das ja aus den Anzeigen. Unter Umständen steckt hinter dem vorgefundenen Stilaltbau die Immobiliengruppe CPI. Mit Vorstand Jörg Schuster sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Sie versprechen Ihren Anlegern eine Rendite von sieben bis neun Prozent. Ist das bei Zinshäusern nicht reichlich unglaubwürdig? Jeder weiß, dass man in Wien damit gerade einmal drei oder vier Prozent verdienen kann.

Jörg Schuster: Wir halten ein, was wir versprechen. Wir kommen tatsächlich auf eine Zielrendite von sieben bis neun Prozent. Wir schaffen das, weil wir alles unter einem Dach haben - auch die Baufirma. Durch dieses Konzept, alles in einem Haus zu haben, ist unsere Ertragsspanne viel größer. Und so kommen wir auf diesen hohen Ertrag. Natürlich ist in diesem Ertrag auch der Zugewinn enthalten, den wir dadurch generieren, dass wir das Dachgeschoß ausbauen. Und außerdem hat das Haus durch unsere Arbeit einen entsprechenden Wertzugewinn.

STANDARD: Was genau ist also Ihr Geschäftsmodell?

Schuster: Wir investieren in alte Stilzinshäuser in Wien - idealerweise aus dem 18. oder 19. Jahrhundert und vorrangig zwischen der Ringstraße und dem Gürtel.

STANDARD: Schöne, geeignete Objekte sind da rar geworden.

Schuster: Mag sein. Aber wir wollen ja auch keine fertigen und schönen Stilzinshäuser kaufen, sondern kaufen am liebsten eine renovierungsbedürftige, aber im Grunde gute Substanz. Und daraus machen wir dann wunderschöne Stilhäuser, wo jedes Haus ein eigenes Kunstwerk ist.

STANDARD: Auch solche renovierungsbedürftigen Zinshäuser gibt es innerhalb des Wiener Gürtels kaum noch - zumindest sagen das Ihre Kollegen und Mitbewerber.

Schuster: Diese Erfahrung kann ich nicht teilen. Noch gibt es in Wien einige hundert Häuser, die sich für unser Geschäftsmodell hervorragend eignen. Nachdem wir schon so lange erfolgreich am Markt sind, kommen früher oder später alle potenziellen Verkäufer auch mit uns in Kontakt. Für geeigneten Nachschub ist daher gesorgt. Wir sind in einer speziellen Nische tätig: Wir kaufen ja zutiefst sanierungsbedürftige Liegenschaften, bei denen sich unsere Mitbewerber zumeist nicht trauen würden, sie zu kaufen. Außerdem sind wir klein genug, um auch einzelne Häuser zu kaufen. Pro Jahr bearbeiten wir nur sechs bis zehn solcher Häuser.

STANDARD: Sie haben die Wertsteigerung erwähnt. Gibt es tatsächlich eine?

Schuster: Aus Erfahrung kann ich sagen: Ja, es gibt eine. Wir haben bisher 150 Häuser entwickelt und haben etwa 80 im Bestand. Mit anderen Worten: Nahezu jedes zweite von uns entwickelte Haus ist bereits verkauft - und zwar mit Wertsteigerung.

STANDARD: Das Umfeld, in dem Sie arbeiten, hat sich in den letzten Jahren geändert. Beispielsweise gibt es Novellen im Bereich der Erdbebennorm und der Dachgeschoßausbauten.

Schuster: Die neue Verordnung trifft uns nicht. Wir haben schon bisher nach den Regeln der neuen Verordnung gearbeitet.

STANDARD: Sie haben sich vorgenommen, heuer noch zehn Millionen frisches Kapital bei den Anlegern aufzubringen. Wie wollen Sie das schaffen?

Schuster: Wir haben es bereits geschafft. Wir haben die Summe seit März dieses Jahres in der Tasche. Im Laufe dieses Jahres wollen wir sogar nochmals fünf bis zehn Millionen Euro aufbringen. Unsere Anleger sind ja nicht blutjunge Anfänger, sondern meist erfahrene Investoren, die anderswo schon einmal enttäuscht worden sind. Übrigens: 40 Prozent der Investorengelder kommen mittlerweile aus dem Ausland, vor allem aus der Schweiz.

STANDARD: Warum ausgerechnet aus der Schweiz?

Schuster: Weil dort der österreichische Wohnimmobilienmarkt als unterentwickelt eingestuft wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.6.2007)

  • Jörg Schuster: "Am liebsten kaufen wir renovierungsbedürftige Zinshäuser. Daraus machen wir dann wunderschöne Stilhäuser, wo jedes Haus ein eigenes Kunstwerk ist."
    foto: cpi

    Jörg Schuster: "Am liebsten kaufen wir renovierungsbedürftige Zinshäuser. Daraus machen wir dann wunderschöne Stilhäuser, wo jedes Haus ein eigenes Kunstwerk ist."

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