Wechsel auf EU-Roaming-Tarif wird Roulette für heimische Handykunden

30. Juli 2007, 14:38
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A1 und One informieren in Staffeln - Erste Kunden sollen noch im Juli umgestellt werden - T-mobile und 3 stellen Ende August alle Kunden auf einmal um

Die Umstellung auf günstigere Auslandstarife wird für die heimischen Mobilfunkkunden zum Glücksspiel. In Deutschland etwa werden große Anbieter noch vor dem Sommer mit 1. Juli automatisch die neuen EU-Tariflimits einführen - nicht so in Österreich. Die neue EU-Roaming-Verordnung sieht für aktive Handy-Telefonate im EU-Ausland eine Preisgrenze von zunächst 59 Cent (inkl. MwSt) pro Gesprächsminute und für die Annahme eines Anrufs im EU-Ausland 29 Cent vor.

Unterzeichnet

Die amtierende EU-Ratsvorsitzende, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, sowie der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Poettering, haben am Mittwoch, die Verordnung in Brüssel feierlich unterzeichnet. Die heimischen Anbieter können zwei Tage vor In-Kraft-Treten jedoch immer noch nicht sagen, wer wann umgestellt werden wird. Die Verordnung lässt ihnen einen Spielraum bis Ende September.

Klarheit bei T-Mobile und Hutchison ("3")

Klar ist die Lage bei T-Mobile und Hutchison ("3"): Sie wollen ihre Kunden bis Ende Juli über die neuen Tarife informieren. Die Umstellung sämtlicher Kunden erfolgt dann binnen eines Monats nach Verständigung des ersten Kunden auf einen Schlag. Extra melden müssen sich die Kunden dafür nicht mehr. Dafür wird die Umstellung voraussichtlich erst Ende August erfolgen.

Die Information der Kunden wird in mehreren Staffeln erfolgen

A1 und One wollen zwar erste Kunden womöglich noch im Juli umstellen. Wer allerdings tatsächlich noch vor Sommer-Urlaubsmitte in den Genuss der billigeren Auslandstarife kommen wird, konnten die beiden Anbieter noch nicht beantworten. Die Information der Kunden wird in mehreren Staffeln erfolgen. Den neuen Tarif erhalten dann als Erste jene Kunden, die sich zuerst zurückmelden.

30 tage

Nach der Rückmeldung haben die Mobilfunker laut EU-Verordnung 30 Tage Zeit, den Kunden umzustellen. Ob die Frist voll ausgenützt wird, ist offen. Reagiert der Kunde nicht auf die Tarifinformation, muss die Umstellung laut Verordnung erst bis 30. September erfolgen.

"Unser Bestreben ist es, unsere Kunden so rasch wie möglich umzustellen", erklärte Mobilkom-Konzernsprecherin Elisabeth Mattes am Mittwoch auf APA-Anfrage. Schon im Juli werde A1 laufend Kunden umstellen. Die Kunden würden in den nächsten Tagen bzw. allerspätestens mit der nächsten Rechnung schrittweise verständigt. "Wenn sich dann ein Kunde meldet, werden wir versuchen, dass er bereits in wenigen Tagen den neuen Tarif erhält", so Mattes. Wie rasch die Umstellung tatsächlich erfolge, hänge vom Ansturm ab.

Ab Samstag

Auch One beginnt ab Samstag seine Kunden zu informieren - gestaffelt via Infokasten auf der nächsten Rechnung bzw. bei Wertkarten-Kunden via SMS-Kurzmitteilung. Die ersten One-Kunden könnten dann ebenfalls im Juli umgestellt werden. Garantieren könne man das aber nicht, räumte eine Sprecherin ein. Das Ganze sei "extrem großer Aufwand". Wer seine Rechnung erst zu Monatsende erhält, kommt in jedem Fall später dran. Die EU-Verordnung lässt diesen Spielraum offen.

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"

Eine Sprecherin von Hutchison ("3") sagte, es sei "nicht fair zu sagen, wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Alle Kunden im Juli umzustellen, ist "3" aber auch nicht möglich. In den Ländern, wo es keine Schwesterunternehmen gebe, sei das Unternehmen abhängig von den Roaming-Partnern, die "3" kaum vor Ende August günstigere Großhandelstarife zugestehen würden.

Bei T-Mobile Österreich dürfte eine frühere Umstellung dagegen an technischen Hürden scheitern. Ein Sprecher verwies vor allem die komplexe Adaptierung der tele.ring-Tarife. Diese müssten zuerst auf die T-Mobile-Schemata umgestellt werden. Erst dann könne man damit beginnen, eine neue EU-Roaming-Zone einzurichten.

Zuständig

Zuständig für die Umsetzungskontrolle für die EU-Roaming-Verordnung in Österreich ist die Telekom-Regulierungsbehörde RTR. Sie wollte sich zu den unterschiedlichen Vorgehensweisen der Mobilfunkbetreiber am Mittwoch nicht äußern. Nächsten Dienstag werde es dazu eine Pressekonferenz geben, erklärte eine Sprecherin lapidar.(APA)

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