Wie Google Maps den Blick auf die Welt verändert

19. September 2007, 18:29
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Die Idee hinter den digitalen Karten ist nicht neu, war aber noch nie so erfolgreich - 250 Millionen Downloads von Google Earth seit Juni 2005

Das US-Magazin Wired widmet sich in einem interessanten Artikel dem Phänomen Google Earth und dessen Auswirkungen auf die Art, wie die Menschen die Welt sehen.

Einmal um die ganze Welt

Vor einigen hundert Jahren dauert es Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, um sich ein Abbild der Welt zu machen. Unzählige Kartografen waren mit ihren Werkzeugen jahrelang unterwegs um genaue Karten zu zeichnen. Oft waren menschliche Schicksale an der Tagesordnung - sowohl für die Entdecker, wie auch für die Entdeckten. Die Umsegelungen der Welt waren meist mit Fehlinterpretationen behaftet und stellten kommende Generationen immer wieder vor neue Herausforderungen. Heute ist die ganze Welt zum Greifen nahe am PC und ermöglicht neue Perspektiven und Möglichkeiten.

Die Möglichkeiten

Für John Hanke, Director von Google Earth, eröffnet sein Tool unzählige neue Perspektiven, die vor allem durch die tausenden unbezahlten Privat-AnwenderInnen und den Hype rund um Begriffe wie Web 2.0 getragen werden. "Geo-Tagging" also die Möglichkeiten sich oder seine Interessen oder Erfahrungen der ganzen Welt zugänglich zu machen - und natürlich auch deren kommerzielle Ausprägung etwa für den Tourismus - sind dabei derzeit gerade das formende Element.

Mashups

Das Zusammenführen der unterschiedlichsten Inhalte auf einer Plattform, semantisches Web und ähnliche Entwicklungen sorgen derzeit für einen wahren Boom an Anwendungen. Jeder Nutzer kann seine kleine Welt, der gesamten großen zugänglich machen. Urlaubsfotos, persönliche Erlebnisse, Eindrücke seiner Nachbarschaft, mehr oder weniger unbekannte Mountain-Bike-Strecken, lokale Restaurant-Empfehlungen und Reiserouten-Tipps - möglich ist derzeit schon einiges. Wissenschaftliche Applikationen liefern ein anschauliches Bild - meist menschlicher Katastrophen - wie etwa dem Holocaust, der Völkerwanderung oder auch von aktuellen Ereignissen wie etwa aus Darfur.

Mittendrin, statt nur dabei

Google Earth hat sich zum "Informationsportal" gemausert. Kaum ist ein Krisenherd in den Medien aufgetaucht, schon wird Google Earth zum Veranschaulichen genutzt. Urlaubsplanungen erfolgen vermehrt nach einem Besuch des geplanten Urlaubsziels über den Browser.

Die Idee ist nicht neu

Die Idee der Bereitstellung einer digitalen Weltkarte ist allerdings bei Weitem nicht neu. Schon zu Beginn der 90er Jahre präsentierte Xerox Parc, ein Jahr vor dem Start des Netscape-Browsers, seine erste Online-Mapping-Applikation. Google stellte im Jänner 2005 seine erste Version von Google Maps bereit. Seit der Bereitstellung einer überarbeiteten Version im Juni 2005 wurde Google Earth mehr als 250 Millionen Mal heruntergeladen.

Erweiterungen

Seit geraumer Zeit werden auch zahlreiche Erweiterungen für die AnwenderInnen bereitgestellt. Sei es nun von Google selbst, wie etwa MyMaps, oder auch von Drittanbietern - der ÖAMTC präsentierte kürzlich eine Google Earth-Applikation für Stau- und Verkehrsmeldungen.

Zensur

Ein großes Thema wird derzeit eifrig diskutiert: die Zensur. Wer kontrolliert die Landkarten, die wir verwenden und kann man diesen überhaupt trauen? "Das Erstellen von Landkarten war immer ein Machtinstrument", so Michael Goodchild, ein US-Karograf gegenüber Wired. "Es gibt nichts Wertvolleres als eine objektive Landkarte. Es ist kein Zufall, dass das Goldene Zeitalter der Kartografie mit der Kolonisation zusammenfiel." Auch heute liegt die Macht noch immer in den Händen der Karten-Hersteller. Der einzige Unterschied ist, dass wir alle heute Kartenhersteller sind, was wiederum bedeutet, dass die Geographie das komplexe kostenlos-für-Alle-Prinzip des Informationszeitalters erreicht hat. Sobald man sich von Längen- und Breitengraden gelöst hat, bekommt man einen unglaublichen Mix aus Wissen und Bedeutung. Es ist so nahe wie möglich an Babel."(red)

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