Die Linux-Distributoren spalten sich

1. Juli 2007, 15:25
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Was Microsoft durch seine Produkte nicht geschafft hat, erreichte man mit Vereinbarungen

Die Linux-Community spaltet sich - die Patentvereinbarungen mit dem Dauerrivalen Microsoft haben erreicht, was die Produkte aus Redmond bislang nicht geschafft haben - eine heftige Streiterei und Diskussion unter den Distributoren.

Für und gegen Microsoft

In den letzten Wochen kam es immer wieder zu Meldungen über Vereinbarungen rund um Patentfragen zwischen einzelnen Linux-Distributoren und Microsoft. Als Reaktion darauf erklärten Mandriva, Red Hat und Ubuntu, dass sie an keiner ähnlichen Abmachung mit Microsoft interessiert seien und auch keinen Sinn darin sehen würden.

Mit Novell fing es an

Die Unstimmigkeiten in der Community begannen schon im letzten Herbst, als Novell, der SUSE Linux-Distributor, eine entsprechenden Vereinbarung mit Microsoft unterzeichnete und damit Microsoft-Patente akzeptierte und anerkannte. Aus Sicht anderer Distributoren war dies aber nicht mehr als ein gelungener Marketing-Schachzug von Microsoft. Dem Beispiel Novell folgten Xandros und Linspire.

"Es ist nicht gut"

Es folgten heftige Diskussionen und heftige Kritik von allen Seiten und aus den unterschiedlichen Lagern. Einigkeit herrscht dafür bei den Experten und Anwendern, diese sehen in den jüngsten Diskussionen und Abmachungen mit Microsoft eine schlechte Entwicklung. Gegenüber der Computerworld meinte etwa der Linux-Verantwortliche für den öffentlichen Sektor in Florida, Vijay Sonty, dass dies "nicht gut für Open Source ist". Aus seiner Sicht würde Microsoft "die Partner gegeneinander ausspielen". "Der Kampf hat gerade erst begonnen, wir wissen noch nicht wie es unter der Spitze des Eisberges aussieht", zitiert die Computerworld den Experten.

Zwei Seiten

Die Vereinbarungen mit Microsoft hätten große Auswirkungen auf die Open-Source-Gemeinde, darin ist man sich einig. "So ist es auf der einen Seite, der Kampf David gegen Goliath, der sich seinem Ende zuneigen könnte, auf der anderen Seite geht es um die Patente einer Firma, die, wenn sie diese nicht verteidigt, selbige verlieren wird", meinen die US-Medien.

Deal or No Deal?

Die Diskussion rund um das geistige Eigentum startete, als Microsoft-Verantwortliche begannen gezielt zu vermelden, dass Linux und andere Open-Source-Technologien rund 235 Patente des Konzerns aus Redmond verletzen würden. Von Seiten Microsofts hieß es dazu, dass man gerne noch weitere Vereinbarungen, wie eben jene mit Novell abschließen wollen würde. Dieser Deal sorgt unter anderem dafür, dass Microsoft anteilig an den Umsätzen von SUSE Linux beteiligt ist. Von Seiten der Linux-Community war es bislang eindeutig: Microsoft redet viel, legt aber nie konkrete Beweise auf den Tisch. Nun scheint der Graben unter den Linux-Distributoren langsam, aber unaufhörlich größer zu werden. Ob sich der große Fels in der Brandung - die großen Distributoren Red Hat, Mandriva und Ubuntu - noch lange gegen Microsoft auflehnen können, bleibt abzuwarten. Vielleicht passiert aber auch das genaue Gegenteil und es kommt zu einem breiten Schulterschluss in der Open-Source-Community, der die negativen Effekte der bisherigen Abmachungen wieder auffangen kann.(red)

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