Hunderte Serben bei Gedenkmesse in Gracanica

2. Juli 2007, 10:17
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Teilnehmer reisten unter scharfen Sicherheitsmaßnahmen in Autobussen an

Gracanica - Im Kosovo haben am heutigen Donnerstag mehrere hundert Serben im mittelalterlichen Kloster Gracanica bei Pristina einer Gedächtnismesse anlässlich des 618. Jahrestages der Amselfeldschlacht beigewohnt und damit ihren historischen Anspruch auf die Provinz unterstrichen. Zur Gedenkfeier reiste aus Belgrad auch der Minister für den Kosovo, Slobodan Samardzic, an. Aus Gesundheitsgründen nahm der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle zum ersten Mal an der Gedenkfeier nicht teil.

Anwesend war hingegen der serbisch-orthodoxe Metropolit von Montenegro, Amfilohije Radovic. Er erklärte, der Kosovo sei "heiliges serbisches Land" und werde dies "auch immer bleiben". Auch sei der Kosovo in das "heilige Buch vom heiligen Kaiser Lazar" eingetragen worden.

Scharfe Sicherheitsmaßnahmen

Die Teilnehmer der Gedenkfeier aus Serbien reisten unter starken Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen der UNO-Polizei und des Kosovo-Polizeidienstes in zehn Autobussen aus dem serbisch bewohnten Nordteil von Kosovska Mitrovica an.

Mehrere Personen zurückgewiesen

Laut Medienberichten wurden Personen in provokanten T-Shirts der nationalistischen "Garde des Zars Lazar", die zu einem "Krieg zur Befreiung serbischen Lands" aufriefen, von der Polizei daran gehindert, nach Gracanica und anschließend zum Denkmal an die Kosovo-Helden am Gazimestan bei Pristina weiter zu reisen. Die selbst ernannte Freiwilligengruppe "Garde des Hl. Kaisers Lazar" wurde Anfang Mai in Krusevac von Nationalisten und Kriegsveteranen gegründet. Ihr Ziel soll die Verhinderung einer Unabhängigkeit der Konfliktprovinz Kosovo sein.

Am Vorabend des Jahrestages ließen sowohl die UNMIK wie auch die Kosovo-Funktionäre wissen, dass Provokationen sowie Destabilisierungsversuche nicht geduldet würden. UNMIK-Chef Joachim Rücker erließ am Mittwochabend eine Verordnung, durch welche die Aktivität der nationalistischen "Garde des Hl. Kaisers Lazar" im Kosovo untersagt wurde. Jegliche Präsenz von Garde-Angehörigen im Kosovo würde als Verstoß gegen die UNO-Resolution Nr. 1244 (vom Juni 1999) gesehen werden, ließ Rücker in einer Aussendung wissen.

Am 28. Juni 1389, dem "Veitstag", verloren die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld gegen das Osmanische Reich. In der Nationallegende wird darin der Verlust der Eigenständigkeit Serbiens gesehen und ein Heldenmythos gepflegt. Seit mehr als 100 Jahren finden an dem Tag Kundgebungen von Nationalisten statt. Die Schlacht selbst hatte aber nur untergeordnete Bedeutung und führte nicht unmittelbar zum Verlust der Unabhängigkeit.

"Serbisch-amerikanische Amselfeldschlacht"

Premier Vojislav Kostunica erklärte unterdessen, dass vor den Augen der Staatengemeinschaft nun eine "neue, serbisch-amerikanische Amselfeldschlacht" vorgetragen werde. In dieser Schlacht würde einerseits die Autorität einer Großmacht und andererseits Serbien stehen, das auf dem Argument des Rechtes beharre. Die Schlüsselfrage lautete, ob in der neuen Schlacht die Macht oder das Recht stärker sei, sagte Kostunica zur Tageszeitung "Politika". (APA)

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