Grillwürstltest im festen Griff der Politik

4. Juli 2007, 21:53
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Lebensmittelbehörde und AK-Konsumentenschützer kamen zu konträren Ergebnissen - Fazit: Montag ist ein schwieriger Tag für Qualität

Ein Fleischtest in Oberösterreich offenbart: Parteien sitzen auf glühenden Kohlen

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Linz - Die oberösterreichische Landespolitik scheint die Heimat der Gipfelstürmer zu sein. Die tiefen Gräben zwischen der SPÖ und der schwarz-grünen Landesspitze lassen unterschiedliche Auffassungen mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit in einem Gipfel enden. Gern berät man dabei dann Sicherheits-, Gesundheits- oder Antiatomfragen - wenn auch mit einem zumeist dürftigen Ergebnis. Am Dienstag ging es dann im Landhaus besonders heiß her.

Der grüne Konsumentenlandesrat Rudi Anschober lud zum Grill-Gipfel. Nein, nicht um Biofleisch gekonnt zuerst glühenden Kohlen und dann hungrigen Mitarbeitern auszusetzen. Es galt die Wogen rund um eine kuriose Grillfleischdebatte zu glätten. Am Sonntag hatte Anschober einen Test der oberösterreichischen Lebensmittelbehörde veröffentlicht. Diese hatte das Grillfleisch heimischer Supermärkte genauer unter die Lupe genommen. Fazit: 95 Prozent der Proben seien ohne Beanstandung.

Grillfreier Montag

Einen Tag später bekamen Grill-Freude dank eines Tests der AK-Konsumentenschützer unangenehmen Beigeschmack geliefert. Untersucht wurde auch beim AK-Test abgepacktes Grillfleisch. Mehr als die Hälfte der 25 Proben seien nicht zum Verzehr geeignet gewesen, in einigen Fällen sei der Grenzwert an Fäkalbakterien mehrfach überschritten worden. Die Verwirrung war perfekt und der Konsument am Grillfleischregal der Verzweiflung nahe.

Spannend dabei ist, dass AK und Grüne noch vor zwei Jahren gemeinsam "grillten" und entsprechende Testergebnisse präsentierten. Seit 2006 ist die Grillsaison aber Opfer der rot-grünen Kaltfront geworden. Angesprochen auf einen möglichen Parteienstreit am Griller, gibt sich AK-Konsumentenchef Georg Rathwallner kryptisch: "Es ist naheliegend, dass das so ist."

"Schwierigster Tag"

Nach dem Grill-Gipfel wurden mögliche Ursachen für die konträren Testergebnisse präsentiert. AK und Land hätten unterschiedliche Fleischsorten getestet, daher hinke ein Vergleich. Die Kämmerer kauften am Montag, dem "erfahrungsgemäß schwierigsten Tag für die Qualität von Grillfleisch" ein, die Landesbehörden verteilten ihre Einkäufe über eine ganze Woche. Dazu komme noch ein "großer Interpretationsspielraum im Lebensmittelgesetz, ab wann eine Ware als nicht mehr zum Verzehr geeignet gilt", so Rathwallner. Damit sollte doch für den oberösterreichischen Grillfreund alles klar sein. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 27.6.2007)

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    Mit Fäkalbakterien versetzt oder zu "95 Prozent" bedenkenlos - darüber sind sich AK und Grüne uneins. Auf jeden Fall schlecht ist das politische Klima in Oberösterreich

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