Türkei fürchtet um Rolle als Energietransit-Land

30. Juli 2007, 09:03
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Zusammenarbeit mit Russland wackelt

Seit Russland und der italienische Energieversorger Eni bekannt gegeben haben, dass sie eine neue Gaspipeline bauen wollen, mit der Südeuropa versorgt werden soll, sieht die Türkei ihre Zukunft als neues zentrales Energietransit-Land gefährdet. Auch die Hoffnungen der türkischen Regierung, im Gespräch mit dem russischen Präsidenten eine Zusage für prioritäre Zusammenarbeit mit der Türkei zu bekommen, erfüllten sich nicht.

Wladimir Putin traf sich am Montag in Istanbul mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan am Rande des Gipfels der Schwarzmeer-Anrainerstaaten, um über zukünftige Energieprojekte zu sprechen. Dabei ging es sowohl um den Ausbau der bestehenden Gaspipeline durchs Schwarze Meer, über die die Türkei hofft, zukünftig Gas nach Südeuropa und Israel leiten zu können, als auch um die Beteiligung von Gasprom an der geplanten "Nabucco"-Pipeline. Sie soll Gas aus dem Kaspischen Becken über die Türkei nach Mitteleuropa liefern.

Putin wollte sich auf keine konkrete Aussage festlegen. Er verwies darauf, dass alle Energieprojekte "sorgsam geplant werden müssten, sonst blieben sie Absichtserklärungen". De facto kommt diese Haltung Putins einer Absage nahe, weil er und Gasprom an anderer Stelle Fakten schaffen. Der mit Turkmenistan und Kasachstan besprochene Vertrag über eine neue Gaspipeline von Zentralasien nach Europa sorgt dafür, dass beide Staaten kaum Gas für die "Nabucco"-Pipeline haben werden. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2007)

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