Benedikt XVI. revidiert Regeln für Papstwahl

10. Juli 2007, 16:22
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Wahl erneut ausschließlich mit Zweidrittel-Merheit möglich - Rückkehr zur jahrhundertealten Tradition

Vatikan - Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag überraschend das geltende Recht zur Wahl eines neuen Papstes revidiert. Laut Dekret bestimmte er, dass beim Konklave erneut immer eine Zweidrittel-Mehrheit nötig ist, um ein neues katholisches Kirchenoberhaupt zu wählen. Die Regelung solle "den größtmöglichen Konsens bei der Wahl des neuen Papstes garantieren", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Seit 1996 galt die von Johannes Paul II. aufgestellte Regelung, wonach nur bis zum 33. Wahlgang eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich war. Anschließend konnten die Kardinäle selbst bestimmen, ob die absolute Mehrheit in weiteren Wahlgängen ausreicht oder eine Stichwahl zwischen zwei bis dahin führenden Kandidaten durchgeführt werden soll.

In dem auf Lateinisch verfassten "Motu Proprio" legte Benedikt nun fest, dass es nach dem 33. Wahlgang so viele Stichwahlen geben muss, bis mit der Zweidrittel-Mehrheit ein neuer Papst gefunden ist. An diesen Wahlgängen dürfen die beiden noch als Papstanwärter gebliebenen Kardinäle nicht teilnehmen. Dies bedeutet eine Rückkehr zur jahrhundertealten Tradition der Bestimmungen für das Konklave.

Die bisherigen Abläufe und Regeln hatte Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben "Universi Dominici Gregis" festgelegt. Obwohl in jüngerer Zeit die Sedisvakanzen - die "Zeit zwischen zwei Päpsten" - relativ kurz waren, ist es durchaus möglich, dass es bei einem Konklave 33 erfolglose Wahlgänge gibt. Das längste Konklave aller Zeiten begann 1268 im mittelitalienischen Viterbo und dauerte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage; die Zahl der Wahlgänge ist allerdings nicht bekannt. Zuletzt gab es 1831 eine besonders lange Wahl, aus der Gregor XVI. nach 50-tägigem Konklave als Papst hervorging.

Seither benötigten die Kardinäle nie länger als vier Tage, um einen neuen Papst zu finden. Benedikt XVI. wurde bereits 26 Stunden nach dem Einzug des Kardinalskollegiums in die Sixtinische Kapelle im vierten Wahlgang gewählt. Generell gibt es am Nachmittag des ersten Konklave-Tages eine Wahl, an allen anderen Tagen werden in der Regel vormittags und nachmittags jeweils zwei Wahlen - also vier Wahlen am Tag - durchgeführt.

Gegner der Regelung von 1996 hatten kritisiert, sie habe auch kleinen Mehrheiten eine Blockade der Wahl ermöglicht. Diese hätten einfach so lange durchhalten müssen, bis die Zweidrittel-Mehrheit nicht mehr nötig war. (APA/dpa/Reuters)

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