Versicherungen in der Bredouille

26. Juni 2007, 19:30
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Mit der Zunahme von Extremwetterereignissen müssen die Finanzierung von Schadensfällen und der Katastrophenfonds neu gestaltet werden

Versichern beruhigt, lautet ein bekannter Werbespruch der Branche. Selbst aber sind die Institute alles andere als beruhigt. Mit der Zunahme von Extremwetterereignissen müssen die Finanzierung von Schadensfällen und der Katastrophenfonds neu gestaltet werden.

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Immer lauter denken Versicherungsexperten über eine Neugestaltung des heimischen Versicherungswesens nach. Denn mit der Zunahme von Schäden, wie sie im Zuge des Klimawandels häufiger erwartet werden, erweist sich das derzeitige System, Haushalts- und Gebäudeversicherungen auf der einen Seite und der österreichische Katastrophenfonds auf der anderen, als denkbar unadäquat.

Haushalts- und Eigenheimversicherungen, die auch die ganz unterschiedlichen möglichen Schäden aus Naturkatastrophen abdecken, gibt es zwar, sind aber versicherungstechnisch nicht ideal. Die hohen Einzelrisiken machen die Versicherung für den Versicherungsnehmer teuer und für die Versicherungen schwer kalkulierbar.

Auch der Katastrophenfonds hat in Bezug auf den Klimawandel seine Schwächen. Der Fonds speist sich aus Mitteln der Einkommens- und Körperschaftssteuer, ist laut Lebensministerium mit rund 160 Millionen Euro jährlich dotiert und wurde eigentlich dafür geschaffen, um Vorsorgemaßnahmen wie Lawinenschutz zu finanzieren. Auch für die Kosten, die im Zuge von Aufräumarbeiten nach Naturkatastrophen entstehen, dienen die Gelder des Fonds.

Immer häufiger aber wird der Katastrophenfonds für Entschädigungszahlungen eingesetzt, wie sie etwa nach dem Hochwasser von 2002 notwendig wurden. Dieses verursachte Schäden über insgesamt drei Milliarden Euro. "Nach solchen Jahren rutscht der Fonds ins Minus", erklärt Nadja Vetters vom Joanneum Research, die sich schwerpunktmäßig mit der finanziellen Bewältigung von Naturkatastrophen beschäftigt.

Privat versus Staat

Hochwasser ist derzeit in der Regel nicht in eine Haushalts- oder Eigenheimversicherung inkludiert. Dies hat den Effekt, dass im Falle eines Hochwassers der Katastrophenfonds einspringen muss und zumindest teilweise den Schaden abdeckt. Existiert doch ein entsprechender Versicherungsschutz, zahlt der Katastrophenfonds auch, aber abzüglich der Summe, die die private Versicherung auszahlt. "Damit", resümiert Vetters, "bleibt der Anreiz gering, auf Eigenvorsorge zu setzen."

Ihrer Meinung nach wäre es sinnvoll, wenn etwa zur Feuerversicherung - in Österreich haben fast hundert Prozent aller Haushalte einen solchen Versicherungsschutz - eine obligatorische Naturkatastrophenversicherung dazugepackt würde. "Die Prämien würden zwar höher, aber aus anderen EU-Ländern weiß man, dass die Erhöhung in einem vertretbaren Ausmaß stattfindet, weil es da ein großes Risikokollektiv gibt", sagt Vetters.

Auch gibt es Überlegungen, Haushalts- oder Feuerversicherung mit einem obligatorischen Zusatzbaustein zu versehen, der nicht nur Hochwasser, sondern auch andere mögliche Naturkatastrophen abdeckt: also beispielsweise Sturm, Hagel, Erdrutsch. Um einen solchen zusätzlichen Schutz für den Versicherungsnehmer attraktiv zu machen, sollte er mit einem finanziellen Anreiz, etwa einer staatlichen Förderung, versehen werden.

Uniqua-Generaldirektor Konstantin Klien sprach sich vor der Nachrichtenagentur APA zum Jahresanfang für eine Art "PPP-Modell" (Private Public Partnership) aus, bei der die Basisdeckung über eine Feuerversicherung kommt und außerdem ein Finanzpool geschaffen wird, bei dem sich die Versicherer absichern können. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2007)

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