"Spiegel"-Korrespondentin in Wien gefesselt und verhaftet

4. Juli 2007, 12:03
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Polizisten-Gewalt gegen Journalistin, die bei Rot über die Ampel fuhr - Hämatome und Prellungen - Staatsanwaltschaft ermittelt

Weil sie mit dem Rad bei Rot über die Kreuzung gefahren ist und keinen Ausweis bei sich hatte, soll die "Spiegel"-Korrespondentin Marion Kraske von Wiener Polizisten gewaltsam zu Boden gedrückt und verhaftet worden sein. Wie der "Falter" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, beschäftigt das Vorgehen der Beamten nun die Staatsanwaltschaft. Laut dem amtsführenden Landespolizeikommandanten Karl Mahrer seien die Verdachtsmomente für dienstrechtliche Maßnahmen nicht ausreichend.

"Spiegel": "Fordern von der Polizei Aufklärung"

Für den "Falter" ist der Fall mittlerweile zu einer kleinen Staatsaffäre avanciert. Die Deutsche Botschaft schickte demnach eine "Note" an Außenministerin Ursula Plassnik (V) und der "Spiegel" wandte sich an Innenminister Günther Platter (V). Der Auslandschef des Magazins, Gerhard Spörl, wird mit den Worten zitiert: "Das ist ein Vorfall, den man in einem mitteleuropäischen Land nicht erwarten würde. Wir fordern von der Polizei Aufklärung."

Am 13. Juni rollte die Reporterin über eine Rote Ampel in der Venediger Au. Anschließend sind laut "Falter" zwei Beamte aus dem Streifenwagen gesprungen und forderten sieben Euro Geldstrafe. Die Frau ärgerte sich über so viel Aufsehen und fand ihren Ausweis nicht. Sie bat die Beamten, im Büro anzurufen. Dort könne eine Sekretärin die Identität ja unbürokratisch klären. Die Beamten, so Kraske, beharrten jedoch auf einem offiziellen Dokument. Weil sie keines vorweisen konnte, wurde sie festgenommen. Man habe sie "wie eine Schwerverbrecherin" behandelt und "auf den Wagen geschmissen". Die Journalistin versucht sich "loszumachen" und trifft dabei einen Beamten im Gesicht. Laut Polizei eine "Ohrfeige".

Hämatome und Prellungen

Daraufhin gingen die Polizisten der Schilderung zufolge mit aller Schärfe gegen die Frau vor, drückten sie zu Boden, legten ihr Handfesseln an, einer drückte ihr laut den Angaben sein Knie in den Rücken, "so dass es besonders wehtut". Es seien auch fremdenfeindliche Äußerungen gefallen. Im Unfallkrankenhaus wurden laut "Falter" später Hämatome und Prellungen diagnostiziert.

"Man muss sich das jetzt einmal anschauen", kommentierte Mahrer am Dienstagabend den Vorfall im Gespräch mit der APA. "Der Fall wird peinlichst genau untersucht werden." Aber für sofortige dienstrechtliche Maßnahmen seien die Verdachtsmomente nicht ausreichend. (APA/red)

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