Kopf des Tages: Prinz Pezi

21. Juli 2007, 14:23
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Der Grüne Peter Pilz polarisiert als Vorsitzender im Eurofighter-Ausschuss

Peter Pilz ist auch ein Lebemensch. Zigarre rauchen, gut essen, gerne auch selber kochen, gestern Drachenkopf, am Wochenende ausspannen auf der Alm. Das Haus in St. Katharein an der Laming ist so etwas wie die späte Rückkehr in die Steiermark. Pilz wurde 1954 in Kapfenberg geboren, mit 18 floh er nach Wien. Jetzt flieht er fast jedes Wochenende auf die Alm unweit seines Geburtsortes und versucht idyllische Stunden mit seiner Frau Gudrun zu genießen. Den Eurofighter-Ausschuss, dem er vorsitzt, und die politische Verantwortung, die damit verbunden ist, kann er dabei nicht hinter sich lassen. Auch in dem alten Bauernhof türmen sich die Akten.

Dazwischen liegt eine beachtliche politische Karriere bei den Grünen mit allen Höhen und Tiefen - und eine tiefrote Vorgeschichte, erst beim Verband sozialistischer Studenten (VSStÖ), dann bei der Gruppe Revolutionärer Marxisten (GRM). Bei den Grünen hat Pilz praktisch alle Funktionen bekleidet, war Chef der Wiener Grünen, Bundessprecher, Klubobmann - und einfacher Abgeordneter. Seit mehr als zwanzig Jahren sitzt er im Parlament. War er nicht Kraft seiner Position wichtig, hat er sich selbst wichtig gemacht. Als Aufdecker, als parteiinterner Kritiker, als Feindbild der anderen Parteien.

Er ist ein grünes Fossil: 1986 Mitbegründer der Grünen. Von der damaligen Partie leben nicht mehr alle. Pilz ist der einzige, der noch an vorderster Front politisch aktiv ist. Neben ihm ist sein derzeitiger Chef Alexander Van der Bellen ein politischer Jungspund.

Jetzt, mit 53, hat er einen neuen Höhepunkt erreicht, er leitet einen der brisantesten Ausschüsse, die es im Parlament gegeben hat - "ein Ausflug in die Demokratie", wie Pilz sagt. Und er steht im Fokus des Medieninteresses, wo er sich prinzipiell wohl fühlt.

Mit der Ausschussarbeit ist aber auch eine politische Enttäuschung verbunden: Pilz, dem ein rechtsstaatlicher Drang nicht abzusprechen ist, konnte den hoch gesteckten Erwartungen nicht gerecht werden und einen zwingenden Ausstiegsgrund liefern.

Enttäuscht ist er auch über die SPÖ, die das Ende des Ausschusses gar nicht abwarten will und ein rasches Verhandlungsergebnis mit EADS anstrebt. Was auch immer herauskommt: Für Pilz werden es zu viele Eurofighter sein.

Der Sozialwissenschafter, der sehr pointiert formuliert, hat auch im Ausschuss polarisiert, da schwappten die Wogen der schwarzen Empörung hoch. Pilz polarisiert auch in der eigenen Partei, die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach, er polarisiert jedenfalls im Parlament, weil er einer der schärfsten Redner ist, und er polarisiert auf der Bühne, die er als Sänger mit seiner Band "Prinz Pezi und die Staatssekretäre" regelmäßig heimsucht. Wie vieles in seinem Leben gilt auch hier: Hauptsache ihm gefällt's. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2007)

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