Mit spitzen Schuhen ins Hallenbad

1. Juli 2007, 19:36
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Am kommenden Samstag beginnt in Feldkirch das heurige poolbar-Festival

Feldkirch - Ob Party oder Konzert, diese Grenze verschwimmt beim poolbar-Festival auch ohne die manifeste Absicht dahinter fast wie von selbst. Denn die wohnzimmerartige Atmosphäre des Veranstaltungsortes, des alten Hallenbads in Feldkirch, in der dieses zärtlich wachsende Festival seit 1994 ausgetragen wird, lässt beim Publikum meist beide Wahrnehmungsoptionen zu.

Zumal das poolbar-Fest keine Komprimierung von Kulturveranstaltungen auf ein verdichtetes Wochenende ist, sondern sich über sechs Sommerwochen verteilt - und auch im Winter zehn Tage Programm bietet. Damit kann der Serientäter dem selbst gesteckten Ziel, neben internationalen Künstlern auch heimische gleichwertig zu präsentieren, locker entsprechen.

Denn während österreichische Bands auf den großen Kommerzfestivals bestenfalls in der Mittagssonne buchstäblich verbrannt werden, stehen sie in Vorarlberg gleichwertig als Hauptacts auf der Bühne neben großen internationalen Namen. So eröffnen diesen Samstag etwa die Grazer Sixties-Wiedergänger The Staggers mit ihrem Garagenrock in engen Anzügen und spitzen Schuhen das heurige Fest.

Neben der Musikschiene, die abseits der Liveshows auch eine Reihe von DJ-Abenden bietet, locken auch Filme, Kurzfilme, Kunst, Mode und Architektur Publikum aus Deutschland, Liechtenstein, und der Schweiz ins Ländle. Und wer einmal dort war, kommt gerne wieder. Das gilt für das Publikum ebenso wie für die eingeladenen Künstler. Die begnadeten Puppenspieler von maschek sind heuer bereits zum dritten Mal Gäste in der poolbar.

Begleitet wird das Festival unter anderem von einem eigenen Magazin - gratis über die Homepage zu beziehen - und von diversen Wettbewerben. Neben dem bereits traditionellen Architekturwettbewerb finden der Kunstwettbewerb und heuer erstmals auch ein Mode- und Designwettbewerb statt. Musikalisch bieten die Veranstalter ein ansprechendes, gut durchmischtes Programm aus dem Alternative-Bereich - mit einigen Abstechern. Etwa einem Abend mit den britischen Dancefloor-Pionieren Coldcut innerhalb eines vom Radiosender FM4 mitbestrittenen Wochenendes, das neben Coldcut auch die kanadische Band The Hidden Cameras bietet. Oder Final Fantasy, das Elektro-Pop-Folk-Soloprojekt von Owen Pallet, seines Zeichen Streicherarrangeur bei jedermanns Liebling, nämlich bei Arcade Fire.

Seltsame Reime

Ebenfalls auftreten werden die Hamburger Tocotronic, die Anfang Juli ihr neues Album Kapitulation veröffentlichen, auf dem sie sich glücklicherweise von den Märchenbildern der letzten Veröffentlichung abwenden und neben ein paar absonderlichen Reimen ("Harmonie! -ie! -ie! -ie! -ie!") souverän ihrer Vorliebe für US-amerikanischen Indierock frönen. Dazu Texte, über die man sich den Kopf zerbrechen kann - wenn man das möchte. Weitere Highlights sind der Nashville-Kammer-Country von Lambchop, der Brass-Irrsinn der deutschen Mardi Gras BB oder die US-Rocker von The Blood Arm. (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 6. 2007)

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Die US-Band The Blood Arm ist einer von vielen musikalischen Programmpunkten beim poolbar-Festival.
    foto: warner

    Die US-Band The Blood Arm ist einer von vielen musikalischen Programmpunkten beim poolbar-Festival.

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