Wien: UNO zeichnet kluge "Bürokratie mit der Maus" aus

3. Juli 2007, 17:03
posten

Transparenz und Schnelligkeit als Verwaltungstugenden - UN Public Service Award an indisches Projekt verliehen

Wien– Der erste Schritt, um im südöstlichen indischen Bundesstaat Andhra Pradesh einen millionenschweren Bauauftrag an Land zu ziehen, ist ein Mausklick. Dämme reparieren, das Schienennetz erweitern und Schulen renovieren: Wer sich um öffentliche Aufträge in dem 80 Millionen Einwohnern zählenden Bundesstaat bewerben will, braucht sich nur auf der Website der Landesregierung für "E-Procurement" (digitaler Erwerb) zu registrieren.

Die Angebote landen beim digitalen Amt, werden erst mit Ende der Anbotsfrist geöffnet und vom Computerprogramm nach einem vorgegeben Schema gereiht. "Um menschliche Interaktion" – damit ist Korruption gemeint – zurückzudrängen, schreiben die Projektbetreiber in einem Bericht für die Weltbank. Verträge im Wert von zwei Milliarden Euro werden über die Website inzwischen jährlich geschlossen. Die UNO findet, die Idee funktioniert: Das Projekt erhielt am Dienstag in Wien den UN Public Service Award.

Ausgezeichnet wurden im Austria Center Vienna beim "Global Forum on Reinventing Government", das noch bis Freitag läuft, Verwaltungsprojekte, die mehr Transparenz schaffen, die Qualität öffentlicher Leistungen verbessern oder bürokratischen Entscheidungsprozesse beschleunigen sollen.

Zu den Gewinnern zählen vor allem E-Government-Projekte. Ausgezeichnet wurde die Einführung der elektronischen Abstimmung im Kanton Zürich ebenso wie die Online -Bürgerplattform der italienischen Region Emilia Romagna, "partecipa.net". Nach dem Herunterladen eines "Demokratiepaketes" von dieser Seite stehen dem Bürger Diskussions- und Informationsforen zu Verwaltungsvorhaben offen. Die Bürger sollen dadurch leichter über die Verwaltung und die Verwaltung einfacher über das Meinungsklima in der Bevölkerung informieren, sagt die Projektmanagerin Sabrina Franceschini. "Partecipa.net" befindet sich noch in der Probephase.

Einen Gewinner aus Österreich gibt es auch: Das Bundeskanzleramt wurde für die E-Government-Plattform "Digitales Österreich" ausgezeichnet. Die Plattform bündelt die Bemühungen von Ländern, Gemeinden und Bund um elektronische Verwaltung. Unter anderem kann in Österreich mittels Bürgerkarte und Lesegerät das Strafregister oder ein Meldezettel online bestellt werden. Derzeit sind allerdings nur 50.000 bis 80.000 Lesegeräte für die Bürgerkarte, die als elektronischer Ausweis fungiert und mit der auch eine Online-Unterschrift geleistet werden kann, im Einsatz. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2007)

Share if you care.