"Brunos" Todestag: Kritik an Politik

27. Juni 2007, 21:35
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Polizei musste seit dem Tod des Bären hundert Beleidigungen und Morddrohungen gegen Förster, Jäger und Behördenmitarbeiter bearbeiten

Schliersee - Am ersten Todestag von Braunbär "Bruno" haben Tierschützer am Dienstag die Politik scharf angegriffen. Zugleich gedachten sie mit einem neuen Holzkreuz am Abschussort an das wilde Tier, das tagelang Deutschland, Österreich und Italien bewegt hatte. Der junge Bär war nahe der Kümpflalm unterhalb der Rotwand nach einem wochenlangen Streifzug durchs bayerische Voralpenland am 26. Juni 2006 getötet worden.

Schon unmittelbar nach der Erschießung des aus Norditalien eingewanderten Braunbären hatten Kreuze auf der Rotwand über dem Spitzingsee (Landkreis Miesbach) an den Medienstar des vergangenen Sommers erinnert. Sie waren aber zum Teil wieder entfernt worden.

Anzeigen gegen Anonyme

Die Polizei musste in den vergangenen zwölf Monaten an die 100 Beleidigungen und sogar Morddrohungen gegen Förster, Jäger und Behördenmitarbeiter kriminalistisch bearbeiten, die mit der Erschießung von "Bruno" in irgendeiner Weise zu tun hatten. In jedem Fall wurde Anzeige erstattet, wenn auch fast immer gegen unbekannt.

"Bruno" war im Juni 2006 der vierbeinige Medienstar schlechthin, als er durch das bayerische Oberland zog und seinen Häschern immer wieder entkam. Erst nach wochenlanger Pirsch wurde er gestellt. Zwei Schüsse brachten ihn nahe der Kümpflalm zur Strecke. Die Namen der Todesschützen sind nach wie vor eines der bestgehüteten Geheimnisse im bayerischen Umweltministerium ebenso wie der Aufenthaltsort von "Brunos" Kadaver. Tiefgekühlt wartet er darauf, präpariert und dann ausgestellt zu werden. Mehrere Museen haben sich darum beworben.

Auf seiner Suche nach Nahrung hatte der aus dem Trentino stammende Bär seinen Verfolgern immer wieder ein Schnippchen geschlagen und auch die bayerische Politik in Verlegenheit gebracht. Behörden riefen Expertenrunden ein und gaben Pressekonferenzen, Bruno marschierte derweil mitten durch Ferienorte und ließ sich sogar vor einem Polizeirevier häuslich nieder. Er erschreckte Urlauber, riss Schafe und Hühner, knackte Bienenstöcke - und kam immer wieder davon. Im Internet wurden Wetten auf ihn abgeschlossen und Solidaritäts-T-Shirts mit Aufdrucken wie "Mich kriegt ihr nie" angeboten. Selbst eigens aus Finnland eingeflogene Bärenjäger verzweifelten an dem schlauen Tier. (APA/dpa)

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    "...von hintergründigen Mördern erschossen": Holzkreuz an der Abschussstelle

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