Der Endspurt hat begonnen

2. Juli 2007, 21:28
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Die Salzburger Delegation reist zur Vergabe-Session des IOC nach Guatemala - Gusenbauer will sich an Blair ein Beispiel nehmen

Wien - "Da seht ihr, dass der Bundeskanzler eine tragende Rolle hat." Bundespräsident Heinz Fischer weiß, wovon er spricht, er hat schließlich oft genug selbst zu tragen, jawohl, Verantwortung, aber, wenn's sein muss wie am Dienstag im Dachfoyer der Hofburg, auch Olympische Ringe. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, Bürgermeister Heinz Schaden und ÖOC-Chef Leo Wallner standen Fischer foto-gerecht zur Seite. Wenig später saßen sie ihm zur Seite. (--> Bilder von der Verabschiedung in Matthias Cremers Fotoblog "Prinzip Hoffnung")

Hier und jetzt einige Auszüge aus den Statements. Fischer: "Salzburg kann ein unübertreffliches Angebot machen. Wir sind eine Wintersportnation. Ich glaube, wir können eine faire und gerechte Vergabe erhoffen. Ich bin zuversichtlich." Gusenbauer: "Wunderbare Atmosphäre, sprichwörtliche Gastfreundschaft, Sicherheit, keine massiven Eingriffe in die Natur. Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde dafür, dass Salzburg den Zuschlag bekommt." Burgstaller: "Eine Ehre, dass Salzburg sich für Österreich bewerben darf. Wir wollen uns nicht nur für Salzburg, sondern für Österreich gewaltig anstrengen. Um ehrlich zu sein, ich kenne keinen schöneren Platz auf der Welt." Lopatka: "Die Nachwehen von Turin soll man nicht verschweigen. Wir haben richtig reagiert, auch mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz." Wallner: "Wir haben aus unserer ersten, gescheiterten Bewerbung gelernt. Es wird ein schwieriger Kampf, es wird nur eine Medaille vergeben." Schaden: "Alle ziehen an einem Strang. Denken Sie an die Marke Olympische Spiele! Denken Sie dann an die Marke Salzburg! Und jetzt stellen Sie sich diese Marken gemeinsam vor!"

Wallner sagt, in IOC-Kreisen gehe das Gerücht, vor der Vergabe der Sommerspiele 2012 an London habe das sympathische Auftreten des britischen Premiers Tony Blair eine entscheidende Rolle gespielt. Nach Blair'schem Vorbild will nun Gusenbauer, der in der Nacht auf Sonntag in Guatemala City landet, bis zur Vergabe in der Nacht auf Mittwoch (5. Juli), auf IOC-Mitglieder einwirken. Und zwar "auf all jene, bei denen wir uns Chancen ausrechnen können, sie zu gewinnen".

Der harrende Dritte

Kundige im In- und Ausland sehen Salzburg in der Rolle des Außenseiters, allgemein wird ein Duell Sotschis (Russland) gegen Pyeongchang (Südkorea) erwartet. Im IOC-Evaluierungsbericht kam Salzburg gut, aber jedenfalls etwas schlechter als Sotschi weg, das seinerseits sehr gut, aber nicht ganz so gut wie Pyeongchang weggekommen ist. Und die Zustimmung der Stadt-Salzburger (42 %) ist ebenso wenig wie das Salzburger Durchführungsbudget (965 Millionen Dollar) mit den Werten von Sotschi (79 %, 1,5 Milliarden Dollar) und Pyeongchang (91 %, 1,25 Milliarden Dollar)) vergleichbar.

In Guatemala City bekommt es Österreichs Bundeskanzler, wenn man so will, mit zwei Präsidenten zu tun, mit Wladimir Putin und Roh Moo-Hyun. Das ficht ihn nicht weiter an. "Ich glaube", sagt Alfred Gusenbauer, "ich glaube, wir haben eine Chance." (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.6. 2007)

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