"Aus" für das Bio-Gemüse
von Prinz Charles

26. Juni 2007, 17:42
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Aufgrund des langen Liefersystems könne er die Qualitäts­kriterien nicht mehr er­füllen, so der "Guardian" - Wie "verträglich" sind globale Transporte für unsere Umwelt wirklich?

Während eine Britische Supermarktkette auf königliche Karotten künftig verzichten wird, stellt sich die Frage der "Umweltverträglichkeit" von Bioprodukten: Einerseits nützt die Produktion der Umwelt, andererseits bleibt der ökologische Gedanke bei langen Transportwegen häufig auf der Strecke. Im Interview mit Andrea Niemann der Researcher Stephan Lutter vom Sustainable Europe Research Institute (SERI), das für AMA Austria die Bedeutung der Transportwege auf unsere Umwelt untersuchte.

derStandard.at: AMA Marketing beauftragte SERI mit einer Studie zu den CO2-Emissionen bei Lebensmitteltransporten. Dazu wurde ein exemplarischer Warenkorb zusammengestellt. Welche Lebensmittel waren darin enthalten und was war das Ergebnis?

Lutter: Es wurden Äpfel, Tomaten, Joghurt, Butter, Weintrauben und Rindfleisch untersucht. Das erstaunlichste Ergebnis waren die extrem großen Unterschiede der verursachten CO2 - Emissionen durch die Wahl der Transportwege und Transportmittel.

derStandard.at: Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?

Lutter: Ein Extrembeispiel: Aufgrund der hohen Kilometerzahl erhöht sich bei Chilenischen Weintrauben die CO2-Emission um das 800fache im Vergleich zu inländischen. Als Transportmittel wurden hier das Frachtschiff und der LKW berechnet.

derStandard.at: Die Wahl des Transportmittels spielt eine entscheidende Rolle bei der CO2-Belastung. Welche Transportmittel haben gut abgeschnitten und welche tragen extrem zum Klimawandel bei?

Lutter: Bei den LKWs muss man sagen: Je größer desto besser, da der CO2 Ausstoß pro Masseneinheit geringer wird. Prinzipiell ist nach diesem Prinzip das Frachtschiff, ganz knapp gefogt vom Zug, am effizientesten.

Innerhalb von Europa kann man sagen, dass der Zug drei bis fünf mal weniger Emissionen verursacht als der LKW. Und ganz am oberen Ende ist das Flugzeug, das wiederum im Vergleich zum Zug das dreißigfache pro Kilometer emittiert.

derStandard.at: Wie lässt sich das messen?

Lutter: Ich spreche hier von Tonnen - Kilometer, also wieviel CO2 pro Tonne und Kilometer pro Transport emittiert wird.

derStandard.at: Welche Lebensmittel werden hauptsächlich eingeflogen?

Lutter: Prinzipiell Lebensmittel die frisch gehalten werden müssen. Spanische Erdbeeren werden mit dem LKW transportiert, da sie da noch fertig reifen. Bei Weintrauben und Fleisch haben wir das Szenario des Flugzeuges berechnet.

derStandard.at Was heißt das konkret in Bezug auf CO2-Belastungen?

Lutter: Bei einem Apfel aus Südafrika beträgt der Transportweg cirka 13.000 Kilometer. Im Vergleich liegt der Transportweg bei einem steirischen Apfel bei rund 200 Kilometer. Das ist schon ein Faktor von ungefähr 55. In Emissionen ausgedrückt kommt man beim importierten Apfel auf 250 bis 260 Gramm pro Kilogramm Apfel, beim steirischen Apfel sind es hingegen nur 20 Gramm. Das ist ein "kleiner" Unterschied, da Äpfel großteils per Frachter transportiert werden, der wiederum sehr emissionseffizient ist.

derStandard.at: Was heißt das für mich als Konsument: Ist es besser "Bio" einzukaufen, oder macht prinzipiell Regionales mehr Sinn. Wie gehen Sie damit um?

Lutter: Ich persönlich achte auf den Grundsatz: Lieber heimisch als Importware und wenn ich dringend etwas brauche, das es bei uns nicht gibt, dann entscheide ich mich da für das Bioprodukt. Zum Beispiel Biokartoffel: Die kommen dann aus Ägypten oder Israel. Da frage ich mich dann eher: brauche ich die jetzt überhaupt?

derStandard.at: Macht es Sinn die CO2-Belastung für Konsumenten auf Lebensmitteln auszuschildern, oder reicht es zu wissen woher die Ware kommt?

Lutter: Transparenz ist schon sinnvoll, da Konsumenten häufig nicht abschätzen können was dahinter steckt. Das ist sicher zielführend.

  • Zur Person
Stephan Lutter ist im Naturressourcen-Management tätig und beschäftigt sich mit den Themen Globalisierung und internationaler Handel und Nachhaltigkeitsmesstechniken.

Der Diplomingenieur für Kulturtechnik und Wasserwitrschaft machte seinen Master of Natural Ressources Management and Ecological Engineering an der BOKU in Wien und an der Lincol-University New Zealand.
    foto: stephan lutter

    Zur Person
    Stephan Lutter ist im Naturressourcen-Management tätig und beschäftigt sich mit den Themen Globalisierung und internationaler Handel und Nachhaltigkeitsmesstechniken.

    Der Diplomingenieur für Kulturtechnik und Wasserwitrschaft machte seinen Master of Natural Ressources Management and Ecological Engineering an der BOKU in Wien und an der Lincol-University New Zealand.

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