Abberufung von Bundeskunsthallenchef in Bonn

1. Juli 2007, 19:40
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Vitali kommt - Arbeitsvertrag mit Wenzel Jacob per Jahresende gekündigt - Skandal um verschwendete Gelder als Auslöser

Berlin/Bonn - Der Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn, Wenzel Jacob, ist abberufen worden. Die Gesellschafterversammlung der Kunsthalle hat am Montag den Arbeitsvertrag mit Jacob zum 31. Dezember 2007 gekündigt und seine Bestellung zum künstlerischen Geschäftsführer mit sofortiger Wirkung widerrufen, teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mit. Interimsnachfolger wird der Schweizer Christoph Vitali, früher Leiter der Frankfurter Schirn Kunsthalle und des Hauses der Kunst in München sowie zuletzt Chef der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Er gilt als einer der erfolgreichsten Ausstellungsmacher Deutschlands.

Im Skandal um verschwendete Gelder bei der vom Bund finanzierten Kunsthalle war Jacob von seinem Posten bereits freigestellt worden. Der kaufmännische Geschäftsführer Wilfried Gatzweiler war fristlos abberufen worden. Dieser hatte die Vorwürfe in einer 50-seitigen persönlichen Erklärung zurückgewiesen. Seinen Posten übernimmt kommissarisch der stellvertretende Verwaltungsleiter der Deutschen Welle, Otto Lindner.

Im Hinblick auf die vom Bundesrechnungshof "aufgedeckten eklatanten Mängel und Versäumnisse der bisherigen Geschäftsführung" der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik betonte das deutsche Bundespresseamt am Montag, dass die Beanstandungen in den Zeitraum von 2002 bis 2006, "also im Wesentlichen in die Amtszeit der rot-grünen Bundesregierung", gefallen seien.

Der deutsche Kulturstaatsminister Neumann habe nach Aufdeckung der Missstände im Frühjahr "entschiedene Konsequenzen gezogen", betonte das Bundespresseamt. Zur "lückenlosen Aufklärung auch etwaiger strafrechtlicher Vorgänge" ermittle die Staatsanwaltschaft Köln.

Neumann betonte am Montag, das hohe Ansehen, das die Kunsthalle "bisher zweifellos hatte und das durch die jüngsten Vorgänge stark beeinträchtigt wurde", müsse wieder hergestellt werden. Dazu gehöre auch, dass sie sich "auf ihre Kernaufgaben konzentrieren müsse und nicht für Events und Marketingaktionen finanzielle Verantwortung tragen könne, die außerhalb der eigentlichen Aufgaben liegen". In einem Gespräch mit der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann bot Neumann "eine konstruktive Zusammenarbeit" an.

Die Bundeskunsthalle wurde 1992 gegründet. Gesellschafter sind der Bund und die Länder. Sie wird vom Bund mit jährlich 16,8 Millionen Euro gefördert. Der renommierte Kunstwissenschaftler Jacob war seit 1995 künstlerischer Direktor der Bundeskunsthalle. (APA/dpa)

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