Suspendierter Chefinspektor verklagt Rotlicht-"Aufpasser": Prozess

30. Juli 2007, 19:42
posten

Wegen Behauptung, Wiener Spitzenpolizist habe mehr als amikalen Umgang mit Halb- und Unterwelt gepflogen - Beamter beteuert, Aussagen seien unwahr

Ungewöhnlicher Prozess im Wiener Straflandesgericht: Ein Chefinspektor der Wiener Polizei hat einen seit Jahren in der Unterwelt beschäftigten "Aufpasser" wegen übler Nachrede und Kreditschädigung verklagt. Der 36-jährige "Tommy", im Milieu unter den Namen "Versace" bekannt, hatte mit brisanten Aussagen für die Suspendierung des Gruppenleiters der Kriminaldirektion (KD) 1 gesorgt. Der Spitzenpolizist ist seit Ende März wegen angeblich all zu freundschaftlicher Kontakte mit der Rotlicht-Szene außer Dienst gestellt, auch die Staatsanwaltschaft Wien hat Ermittlungen aufgenommen.

Dienstag trafen sich der Polizist und der "Aufpasser" im Saal 305 des Straflandesgerichts, wo die Privatanklage des Beamten verhandelt wurde. "Tommy" hatte in der ORF-Sendung "Thema", in der Tageszeitung "Österreich" sowie im Nachrichtenmagazin "News" behauptet, der Chefinspektor habe am 1. Dezember 2005 bei der Hochzeitsfeier der Szene-Größe Dusan R. alias "Rocky" mehr als amikalen Umgang mit dem Bräutigam gepflogen, der beruflich unter anderem als "Securitychef" des Etablissements "Pour Platine" tätig ist. Zudem soll "Rocky" als eine Art Generalsekretär den so genannten Nokia-Club geführt haben - ein Zusammenschluss mehrerer Rotlicht-Lokale gegen lästige Mitbewerber und mit einem angeblich "guten Draht "zur Polizei.

<><700 euro="">

Auch er sei davon überzeugt worden, diesem Club beizutreten, berichtete "Tommy" Richterin Karin Burtscher. 700 Euro monatlich habe er bezahlt. Im Gegenzug habe ihm "Rocky" versichert, dass er ihm bei Bedarf über den Chefinspektor "helfen" könne.

Tatsächlich habe er sich eines Tages direkt an den Gruppenleiter gewandt und sich erkundigt, "ob die Linzer Straße Sperrgebiet wird". Dies hätte nämlich negative Folgen "für meine Madln" gehabt, so "Tommy". Für die Auskunft, wonach dieses nicht geplant sei, habe der Polizist später eine Raymond Weil-Uhr um 1.500 Euro verlangt, behauptete der "Aufpasser".

Der Chefinspektor habe sich auch mit anderen Rotlicht-Kapos wie dem mittlerweile wegen Schutzgelderpressung in U-Haft sitzenden Dragan J. alias "Repic" gut verstanden, berichtete der 36-Jährige weiter. Das habe man auf "Rockys" Hochzeit gesehen, wo der Beamte "mit 'Bussi! Bussi!', Foto hier, Foto da" herum gegangen sei. Zur Untermauerung dessen legte "Tommy" dem Gericht ein Video von der Hochzeit vor.

"In Bordellen herumgehangen"

Außerdem sei der Beamte mit Kollegen "in Bordellen herumgehangen", setzte der "Aufpasser" noch eins drauf. Der ihm gegenüber sitzende Spitzenpolizist hörte diese Ausführungen wortlos und mit versteinerter Miene an. Der Beamte selbst wird erst beim nächsten Verhandlungstermin Mitte August einvernommen und ausführlich Gelegenheit bekommen, zu den Anschuldigungen Stellung zu beziehen. Seine Anwältin wies sämtliche Behauptungen als unwahr und Kredit schädigend zurück. Laut Privatanklage will der Beamte bei der Hochzeitsfeier "außer der üblichen Begrüßungsformel" mit "Rocky" kein Wort gewechselt haben.

Darüber konnte "Tommy" nur lächeln: "Was soll man dazu sagen? Die ham si köstlich unterhalten!" Er selbst habe den Chefinspektor, "Rocky" und "Repic" ein Mal zum Essen einladen müssen: "Man hat den Eindruck g'habt, dass die mitanand' recht gut san. Da is' der Schmäh g'rennt." Auf die Frage, wer bei diesem Treffen noch dabei gewesen sei, fiel "Tommy" ein gewisser Peter ein: "Der war früher Totengräber. 2,2 oder 2,3 Meter groß. Schuhgröße 57. Und ein IQ wie a Plastiksackerl." (APA)

Share if you care.