Zukunft des Lesetheaters wackelt

16. Juli 2007, 12:25
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Subvention für 2007 gestrichen - IG Autoren: "Nicht nur die Spitzen der Hochkultur fördern" - Kuratorium kritisiert Beliebigkeit der Texte und Qualität der Lesungen

Wien - Die Zukunft des Ersten Wiener Lesetheaters und Zweiten Stegreiftheaters ist fraglich. Das betonten heute, Montag, Mitglieder des Vereins bei einem Pressegespräch. Eine kürzlich beschlossene Subventionsstreichung durch das Kulturamt der Stadt Wien (MA 7) gefährde den Weiterbetrieb, hieß es. Beiratsmitglied Eva Fillipp versicherte zwar, dass "man es ohne finanzielle Mittel heuer gerade noch schaffen könne", doch Eigenfinanzierung und Eigenleistung werden noch stärker gefordert als bisher.

Grund dafür, die bisherige städtische Jahressubvention von 12.000 Euro zu streichen, sieht der Beirat vor allem in den "Nachwehen der Theaterreform 2004". Andre Turnheim, Mitglied des dreiköpfigen Kuratoriums für die Wiener Off- und Tanztheater-Szene, begründete im Gespräch mit der APA den Entschluss damit, dass die Angebote des Wiener Lesetheaters "im Gesamtkontext nicht stark genug" seien. Die aktuellen Aktivitäten des Lesetheaters glichen einer "klassischen Lesung", auch die "Menge und Beliebigkeit der ausgewählten Texte" sowie die Qualität der Lesungen selbst wurden als unzureichend für eine Subventionszusage bewertet.

"Es sollten nicht nur die Spitzen der Hochkultur gefördert werden."

Heinz Lunzer, Mitglied der IG Autoren, wehrt sich gegen den drastischen Beschluss: "Es sollten nicht nur die Spitzen der Hochkultur gefördert werden." Der österreichische Schriftsteller und Gründer des "Bunten Literarischen Wanderzirkus", wie sich der Verein gerne bezeichnet, Rolf Schwendter, betonte die Einzigartigkeit der Kunstgattung des Lesetheaters, vor allem dessen Prinzipien der Volksnähe und Zugangsmöglichkeit für Jedermann, ohne Berücksichtigung der sozialen Schicht und des Milieus. Lunzer fügte hinzu, dass "der Dank für diese Besonderheit durch öffentliche Stellen nun nicht mehr gegeben ist."

Das Erste Wiener Lesetheater in der Seidengasse wurde 1990 durch Rolf Schwendter initiiert und verzeichnet bereits insgesamt 1.250 organisierte Lesungen, die ausschließlich bei freiem Eintritt stattfanden. Der Verein sieht seine Aufgabe in der Förderung von deutschsprachigen Autoren und auf "vergessene und weitgehend unbekannte oder nie gespielte Stücke" aufmerksam zu machen.

Zurzeit werden Vorschläge für Alternativ-Vereinsförderungen und neue Zusammenschlüsse diskutiert, Kritik wurde auch an der Effizienz der aktuellen Kooperationen geübt. (APA)

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