In Warschau beginnt Bau von jüdischem Museum

1. Juli 2007, 19:40
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Polnischer Staatspräsident bei Grundsteinlegung: "Die Geschichte der polnischen Juden ist ein Teil der Geschichte Polens" - Eröffnung für 2010 geplant

Warschau - Nach jahrelanger Planung ist am Dienstag in Warschau der Grundstein für das Museum der Geschichte der polnischen Juden gelegt worden. Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski wies bei der Feier auf die lange Geschichte der Juden in Polen und ihren Beitrag zur polnischen Kultur hin. "Die Geschichte der polnischen Juden ist ein Teil der Geschichte Polens", betonte er. Sie verdiene Erinnerung und Ehrung. Er hoffe, dass das Museum ein wichtiger Ort "nicht nur für Juden, sondern auch für Polen wird". Das Museum, dessen Bau im kommenden Jahr beginnt und das 2010 öffnen soll, sei eine Chance, Wissenslücken zu beseitigen und Vorurteile zu durchbrechen, sagte Kaczysnki.

Das Museum entsteht im Zentrum des einstigen jüdischen Warschaus, auf dem Gebiet, in dem sich während der deutschen Besatzung das Warschauer Ghetto befand. Das Gebäude nach den Plänen des finnischen Architekten Rainer Mahlamäki wird gegenüber dem Denkmal zur Erinnerung an die Kämpfer des Ghetto-Aufstands errichtet.

Exponate aus aller Welt gesucht

Die Ausstellungsgegenstände werden seit Jahren nicht nur in Polen, sondern in aller Welt gesucht. Nach dem Willen von Museumsdirektor Jerzy Halberstadt und seiner Mitarbeiter soll das Museum mit zahlreichen Multimedia-Elementen nicht nur ein Stück der durch den Holocaust zerstörten polnisch-jüdischen Kultur nachvollziehbar machen, sondern in seinem Dokumentationsteil bei der Recherche der Schicksale jüdischer Familien und Gemeinschaften helfen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Warschau mit mehr als 300.000 jüdischen Einwohnern die größte jüdische Stadt in Europa. In Polen lebten rund 3,5 Millionen Juden, ein Zehntel der Bevölkerung. Während der deutschen Besatzung wurden drei Millionen polnischer Juden ermordet. Nach dem Krieg verließen Zehntausende von Holocaust-Überlebenden Polen, da sie nicht mehr an eine Zukunft in ihrer Heimat glaubten.(APA/dpa)

Nachlese: Splitter der Erinnerung
Zwei finnische Architekten siegten im Wettbewerb um das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau (7.7.2005)
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