Ludwig-Börne-Preis für Henryk M. Broder

1. Juli 2007, 19:43
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Helmut Markwort würdigte Broder als polemischen Provokateur und "unerbitterlichen Chronisten wuchernder Dummheiten"

Frankfurt/Main - Der Publizist und Schriftsteller Henryk M. Broder (60) ist am Sonntag in Frankfurt mit dem diesjährigen Ludwig- Börne-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wurde Broder von "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort als alleinigem Juror zugesprochen. Markwort würdigte in seiner Laudatio Broder als einen polemischen Provokateur und einen "unerbitterlichen Chronisten wuchernder Dummheiten".

Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und erinnert an den jüdischen Schriftsteller und Journalisten Ludwig Börne (1786-1837), der wegen seiner scharfzüngigen Texte als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt. Am Rande der Preisverleihung gab es vereinzelt Proteste gegen die Auszeichnung.

Broder sei unbequem, er polarisiere und provoziere, sagte Markwort. Sein Werk rege zum Nachdenken an. "Broder ist ein Ludwig Börne von heute: ein freier Geist, der leidenschaftlich und feurig schreibt, oft polemisch und ohne Rücksicht auf "political correctness", aber immer unabhängig und überraschend", begründete Markwort seine Entscheidung.

Auseinandersetzung mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis

Der aus einer jüdisch-polnischen Familie stammende Broder wurde am 20. August 1946 in Katowice (Kattowitz) geboren und kam 1958 mit seinen Eltern in die Bundesrepublik. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren kritisch mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis.

Immer wieder hat er mit seinen Schriften politische Debatten entfacht. Unter anderem hat er es mit der deutschen Linken aufgenommen, der er Antiamerikanismus und Antizionismus vorwarf. In der Auseinandersetzung um das Berliner Holocaust-Denkmal von Peter Eisenman bezog er Position gegen die "selbstberufenen Deutschmeister des Trauerns".

In seinem im vergangenen Jahr veröffentlichten Bestseller "Hurra, wir kapitulieren" rechnet er mit dem Islamismus und dem Westen gleichermaßen ab. Der von den Islamisten erzeugten "Kultur der Angst" beugten sich die westlichen Staaten bereitwillig, ist Broders These.

Die seit 1993 von der Frankfurter Börne-Stiftung vergebene Auszeichnung geht jährlich an deutschsprachige Autoren für hervorragende Leistungen in den Sparten Essay, Kritik und Reportage. Zu den Börne-Preisträgern früherer Jahre gehören auch der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie die Publizisten Rudolf Augstein, Joachim Kaiser und Joachim Fest.

Über den Preisträger entscheidet ein vom Vorstand der Stiftung benannter Preisrichter in alleiniger Verantwortung. Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler den Schriftsteller Wolfgang Büscher ausgezeichnet. (APA/dpa)

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