BP sieht kein Ende der hohen Ölpreise

23. Juli 2007, 16:00
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Als Gründe dafür, dass Öl teuer bleiben wird, sieht man vor allem anhaltende Sorgen über geopolitische Gefahren

Wien - BP rechnet für die absehbare Zukunft mit ungebrochen hohen Ölpreisen, obwohl sein soeben veröffentlichtes Energie-Jahrbuch für 2006 ein leichtes Sinken der so genannten Energieintensität der Weltwirtschaft gezeigt hat. "Die Ölpreise werden aller Wahrscheinlichkeit nach hoch bleiben. Wir sehen für die absehbare Zukunft keinen Rückgang", sagte Kevin J Goodwin bei einem Besuch in Wien. Der Raffinerieexperte aus dem BP-Headquarter in London stellte am Dienstag die diesjährige "Statistical Review" des Ölkonzerns vor.

Als Gründe dafür, dass Öl teuer bleiben wird, führt Goodwin vor allem die anhaltenden Sorgen des Markts über geopolitische Gefahren an. "Die empfundenen Risiken bleiben bestehen, diese Dinge werden nicht einfach im Hintergrund verschwinden", sagte Goodwin mit Hinweis auf Länder wie Nigeria und Venezuela. Bedenken, dass die weltweite Produktion mit der Nachfrage nicht Schritt halten könnte, äußerte er keine.

Nachfrage wird weiter wachsen

Auch für die anderen Trends erwartet BP, dass sich diese mittelfristig fortsetzen: Das Wirtschaftswachstum wird die Nachfrage nach Energie antreiben; Kohle wird - wegen des Booms in China - auch künftig der am raschsten wachsende Energieträger bleiben und die Entwicklungs- und Schwellenländer ("Non OECD") werden beim Wachstum weiterhin den Takt schlagen. Das hat zur Folge, dass weltweit das künftige Wirtschaftswachstum energieintensiver ist und mehr CO2 freisetzt als es eine vergleichbare Entwicklung in den OECD-Ländern tun würde.

BP veröffentlicht jedes Jahr im Juni einen Bericht über die Energiesituation der Welt. Die zehntausenden Daten, die sich u.a. auch auf Gas, Kohle, Atomenergie, Wasserkraft und erneuerbare Energien beziehen, gelten weltweit als Standardwerk für den Energiebereich.

OECD-Erdölverbrauch niedriger, China 2006 plus 7 Prozent

Der Verbrauch der so genannten Primärenergie (alle Energieträger) hat 2006 um etwas mehr als zwei Prozent zugenommen - während das weltweite Wirtschaftswachstum mit 5,3 Prozent so hoch ausfiel wie seit 1973 nicht mehr. Für die im vergangenen Jahr erzeugten Güter- und Dienstleistungen ist daher im Vergleich zum Vorjahr relativ weniger Energie verwendet worden. "Speziell in den OECD-Ländern ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Energie zurückgegangen, obwohl das Wirtschaftswachstum beachtlich war", sagte Goodwin.

Der Verbrauch des noch immer bei weitem wichtigsten Energieträgers, Erdöl, ist mit plus 0,7 Prozent weltweit weniger stark gewachsen als jener anderer Energiearten. Dagegen legte - wegen China - der Kohlekonsum um mehr als vier Prozent zu.

Die weltweite Produktion von Erdöl stieg im vergangenen Jahr trotz beispiellos hoher Preise um lediglich 0,4 Prozent. Etliche OECD-Länder meldeten bei der Ölproduktion starke Rückgänge. Die einzigen größeren Förderländer in Europa, Großbritannien und Norwegen berichteten Produktionsrückgänge von 9,6 bzw. 6,9 Prozent.

Während die Ölnachfrage in den OECD-Ländern gesunken ist, legte sie in wichtigen Teilen der "restlichen Welt" stark zu, in China etwa um 6,7 Prozent. Dieser Trend machte sich übrigens auch am Heimmarkt der beiden größten Produzenten bemerkbar: Saudi Arabien verbrauchte 2006 um 6,2, Russland 4,2 Prozent mehr als 2005.

Keine Sorgen um die Ölversorgung

Sorgen um die Ölversorgung macht man sich bei BP trotzdem keine - zumindest nicht aus Gründen der Geologie und der natürlichen Ressourcenerschöpfung. "Es gibt keine globale Verknappung von Hydrokarbonreserven", erklärte Goodwin. Nach den Kalkulationen von BP sind die globalen Ölreserven im vergangenen Jahr zwar unwesentlich zurückgegangen - sie lägen aber nach wie vor bei mehr als 1,2 Billionen Barrel und gewährleisteten daher eine Ölversorgung von mehr als 40 Jahren, heißt es aus dem Ölkonzern.

BP-Experte Goodwin räumte aber ein, dass speziell die aus dem Mittleren Osten gemeldeten Reserven nicht auf denselben Kriterien beruhen wie die "gesicherten Reserven" ("proved reserves"), die die Ölfirmen etwa an die New Yorker Börseaufsicht melden müssen. BP bekomme die Zahlen aus dem Nahen Osten vornehmlich aus dem OPEC-Sekretariat.

Wie bekannt, haben zahlreiche OPEC-Länder ihre Reserven nach einer schlagartigen Erhöhung Mitte der Achtzigerjahre seit 20 Jahren nicht mehr angepasst. Dass es sich bei diesen Daten angesichts dessen um "politische Zahlen" handle, glaube er nicht, beteuerte Goodwin auf Nachfrage. "Wenn wir auch nicht unbedingt jede dieser Zahlen für korrekt halten, gehen wir doch davon aus, dass das Gesamtbild akkurat ist", sagte er. Mehr als die Hälfte der genannten 1,2 Billionen Barrel an "gesicherten Reserven" liegt im Nahen Osten. (APA)

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