Studie: Benziner wieder im Kommen

29. Juli 2007, 18:27
12 Postings

Einer Studie zufolge wird sich ein Diesel-Fahrzeug in Europa bis 2020 nur noch für jeden vierten Autofahrer kostenmäßig lohnen

Wien - Der Otto-Motor ist wieder im Kommen. Einer Studie des internationalen Beratungsunternehmens A.T. Kearney und der österreichischen AVL Consulting zufolge wird sich ein Diesel-Fahrzeug in Europa bis 2020 nur noch für jeden vierten Autofahrer kostenmäßig lohnen. Derzeit haben Diesel-Fahrzeuge in Österreich immer noch Kostenvorteile, räumen die Berater ein. Die Spitze bei Diesel-Käufen sei aber auch schon 2003 überschritten worden. Waren damals noch 71 Prozent aller Neuzulassungen Dieselfahrzeuge, sind es im Vorjahr nur noch 62 Prozent gewesen.

Im vergangenen Jahrzehnt gewann der Dieselmotor auf Grund des sparsamen Verbrauchs und der geringeren Spritkosten bei Autokunden in Österreich, aber auch in anderen Staaten Europas stark an Beliebtheit. Durch die Entwicklung des Ölpreises, der Emissionsrichtlinien und der Besteuerung von Fahrzeugen und Kraftstoffen werden die Kosten für Diesel-Fahrzeuge aber wieder deutlich steigen. Laut der Untersuchung von A.T. Kearney und AVL Consulting wird sich die Anschaffung eines Dieselfahrzeugs im Jahr 2020 in Europa erst bei einer Laufleistung von rund 16.500 Kilometer pro Jahr (derzeit 12.000 km) rechnen.

Benziner billiger

Misst man den Ausführungen der Experten Bedeutung zu, so werden Benziner im Vergleich zu Dieselfahrzeugen in der Neuanschaffung auch in Hinkunft billiger sein. Dazu kommt in Zukunft nun, dass auch der Spritverbrauch des Benziners sich dem Diesel-Fahrzeug annähern wird. Die Berater erwarten ein Verbrauchsminimierung um fast 20 Prozent. Der Mehrverbrauch eines Benziners gegenüber dem Diesel werde dann nur mehr rund 10 Prozent betragen - heute sind es noch zwischen 25 und 30 Prozent. Gleichzeitig müssten Dieselkäufer Mehrkosten für die Abgasnachbehandlung in Höhe von 800 bis 1.500 Euro in Kauf nehmen.

"Die gleichen Systeme sorgen auch für einen Anstieg des Verbrauchs und wirken damit dem heute noch stärksten Verkaufsargument des Diesels entgegen. Lediglich eine Änderung der Besteuerung zu Gunsten des Diesels oder ein Ölpreis jenseits von 75 Dollar pro Barrel ließe den Diesel für das Gros der Autofahrer wirtschaftlich werden", erklärt Studienautor Stephan Krubasik. Er geht derzeit davon aus, dass sich die Zahl der potenziellen europäischen Dieselkäufer bis 2020 von derzeit 50 Prozent auf etwa 25 Prozent halbieren wird.

Emissionsrichtlinien

Zentral für die weitere Entwicklung sind laut Studie die Emissionsrichtlinien. Zur Limitierung von "herkömmlichen" Emissionen wie Rußpartikeln oder Stickoxiden werden in den USA die "Tiers2Bin5-Norm" und in Europa die "Euro 6-Norm" in Kraft treten. Von diesen Regelungen würde vor allem der Dieselmotor betroffen sein, da hier "komplexe und teure" Abgasnachbehandlungssysteme zur Erreichung der Vorgaben notwendig seien, schreiben die Berater. Zusätzlich würden sich Begrenzungen bei den CO2-Emissionen zumindest in Europa, den USA und Japan umfassend durchsetzen. In Europa werde sich besonders der momentan diskutierte durchschnittliche Grenzwert von 130 g/km in der Gesetzgebung wiederfinden, so die Berater.

Nutznießer dieser Entwicklung könnten Benziner und Hybridfahrzeuge sein, heißt es in der Studie "Powertrain of the Future", die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. Und auch die Automobilzulieferindustrie könnten von diesem Trend verstärkt profitieren. Allein der Markt für Abgasnachbehandlung soll bis 2020 von 8 auf zirka 30 Mrd. Euro und jener für Pkw-Hybridkomponenten auf rund 17 Mrd. Euro zulegen.

"Full-Hybride" werden sich der Studie zufolge aber auch im Jahr 2020 aus Kostensicht noch nicht lohnen. "Full-Hybride" würden Verbrauchsvorteile aufweisen, diese seien aber im Wesentlichen auf den Stadtverkehr begrenzt. Zwar verbessere sich der Business Case von Benzin-Hybriden merklich, dennoch schlage die Anschaffung eines Fahrzeugs mit modernem Antriebskonzept mit zusätzlichen 3.000 Euro im Vergleich zum Benziner und mit zusätzlichen 1.000 Euro gegenüber dem Diesel zu Buche, meint Tischendorf. (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/skarics
Share if you care.