Neopren für böse Buben

3. Juli 2007, 11:28
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Starke Einzelpositionen bei den Männer-Modeschauen in Mailand

Mailand - Die Unübersichtlichkeit, die in der derzeitigen Mode herrscht, kennzeichnete auch die ersten Tage der Mailänder Männer-Modeschauen für Frühjahr/Sommer 2008. Tief emotional nahm die Modeszene vom verstorbenen Designer Gianfranco Ferré Abschied - ansonsten konnte man sich aber auf keine gemeinsame Haltung einigen.

Nach den gefälligen Proportionen des vergangenen Winters findet etwa Raf Simons bei Jil Sander neue Formen. In diesiger Atmosphäre zeigte er zu zartem Techno extrem schmale Anzüge und weite Kurzmäntel in puderigen Pastelltönen, Ziegelrot und Emeraldgrün. Modischer als gewöhnlich trägt man bei Jil Sander nächstes Jahr transparente Kurzarmsakkos zu Hosen, deren Formenrepertoire um weite Shorts und größere Volumen erweitert wurde. Der Verzicht auf Accessoires steht der Marke gut und macht den Blick auf die grafisch minimalen Sandalen frei, der Ergänzung zur sauberen und angenehm referenzfreien Ästhetik.

Bei Burberry und dessen Designer Christopher Bailey war zuletzt noch Sandhurst für Sinnliche angesagt, jetzt orientiert man sich (wie auch Kollege Alexander McQueen) an Surfern und Yellow Submarine: samt Reißverschlüssen auf Sweatern in Knallgelb, Fuchsia und Grasgrün und massivem Einsatz von Neopren, und das selbst bei den obligaten Trenchcoats. Experimentelle Weite an Mantelärmeln betonen die Silhouette, und wären da nicht die ewigen Rock-'n'-Roll-Verweise im zweiten Teil der Show (Paillettenblazer und goldene Krokomäntel), hätte Burberrry restlos überzeugt.

Gigolos bei Dolce & Gabbana Bei Versace gab man sich diesmal eher formal als glamourös. Bekannt sind dagegen die Tricks von Dolce & Gabbana, die diesmal ihren muskulösen Erotiktraum mit Formal-Abendlichem in Gestalt scharf geschnittener, dunkler Anzüge beginnen lassen. Ausgehend davon entwickeln sie einen Combat-Style, der nicht neu ist, aber unter Zuhilfenahme von LED-Leuchten modern wirkt. Mit Taschendetails übersäte Cargohosen, laszive Militärhemden, zugeknöpfte Gilets vom Typ Justin Timberlake sind das Rezept für den altbewährten, weil Erfolg versprechenden Gigolo-Style, der dann im weiteren Verlauf zum Hippie-Blümchen-Chic ausgereizt wird.

Modepäpstin Miuccia Prada fiel zum Thema Sommer offenbar Herbst ein. Wollige Anzüge in weicher und lang gezogener Silhouette mit leicht ausgestellten Hosen bestimmen das Eingangsbild, gefolgt von kuscheligem Piqué-Strick. Die Farbpalette, dominiert von Brombeer, Schwarz und Grau, bereitet emotional eher auf den ersten Schnee als aufs Schwimmbad vor und macht das Ganze zu einer morbid-romantischen Angelegenheit. Assoziationen zu Jarvis Cocker im orientalistischen Hausanzug kommen auf, wenn kurzärmelige Mäntel, Overalls und asymmetrisch geknöpfte Hemden an einem vorbeiziehen. Nicht spektakulär, aber vergleichsweise wohltuend. Und glücklicherweise aus einem Guss. (Der Standard, Printausgabe 26.6.2007)

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    Neopren und Neon von Emporio Armani.

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