Der abseitige Weg von Daniel Wolf

20. Juli 2007, 16:53
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Talent braucht auch Für­sprache wie die Karriere des Italien-Legionärs beweist

Wien - Nach Jahren der Stagnation nimmt die Zahl österreichischer Kicker, die ins Ausland engagiert werden, wieder zu. Vergangene Woche unterschrieb U20-Teamstürmer Martin Harnik, der sein Fußwerk in Norddeutschland erlernt hat, einen Profivertrag bei Werder Bremen. Der VfL Bochum verpflichtete vom FC Kärnten Stürmer Marc Sand. Der 19-Jährige hatte sich durch Probetrainings auch bei etlichen anderen Klubs in Deutschland empfohlen.

Auf Empfehlung eines ehemaligen Weltstars begann die Auslandskarriere von Daniel Wolf. Vladimir Jugovic, 42facher jugoslawischer Internationaler, Meistercupsieger mit Roter Stern Belgrad, italienischer Meister und Champions-League-Sieger mit Juventus Turin und für eine Saison Attraktion der inzwischen in die Regionalliga abgestürzten Admira, versprach seinem jungen Klubkollegen Wolf, ihn in Italien unterzubringen.

Gelandet ist der mittlerweile 22-Jährige im Sommer des Vorjahres schließlich in der dritten Leistungsstufe, beim Serie-C-Klub Pistoiese in der Toskana. "Die haben mich nicht gekannt, aber Jugovics Urteil vertraut." Zu Recht, wie sich erwies. Wolf wurde flott Stammspieler im zentralen Mittelfeld und nach der Saison ins All-Star-Team der Serie C gewählt. "Ich habe mich im Zweikampfverhalten und im taktischen Bereich sicher deutlich verbessert."

Väterlicher Freund

Der Plan, sich über Pistoiese für die Serie B oder gar für die Serie A zu empfehlen, könnte aufgegangen sein. Jugovic, den Wolf einen väterlichen Freund, aber nicht seinen Manager nennt ("Er hat keine Lizenz als Spielervermittler, das macht ein Herr Federico Giacomelli für mich"), sondiert die Möglichkeiten. "Es gibt Interessenten", sagt Wolf. Die Namen sagt er nicht. Sie sollen Parma, Torino, Udinese und Empoli lauten.

"Mitte Juli fangen die Klubs in Italien mit der Vorbereitung auf die neue Saison an. Bis dahin weiß ich Bescheid." Eine Rückkehr nach Österreich kann sich Wolf gar nicht vorstellen. Auch, weil sich kein Klub für den Wiener interessiert. Übrigens auch nicht der ÖFB, obwohl Wolf die wichtigsten Nachwuchsauswahlen durchlaufen hat. "Ich habe von der U17 bis zur U21 alles gespielt. Jetzt ist der Kontakt abgerissen. Die wissen wahrscheinlich gar nicht, dass ich in Italien bin."

EURO im Kopf

Klappt's mit der Serie A, in der mit Teamgoalie Alexander Manninger (Siena) und György Garics (Aufsteiger Napoli) derzeit zwei Österreicher engagiert sind, sollte sich das ändern. "Ich träume schon noch von der EURO. Wenn ich eine Chance haben will, muss ich bei einem bekannteren Klub spielen, obwohl die besseren Vereine der Serie C schon in der österreichischen Bundesliga gut mithalten könnten." (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 26. Juni 2007)

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    Daniel Wolf.

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