"Erdgas" von den Feldern rund um Bruck an der Leitha

23. Juli 2007, 16:00
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In Bruck an der Leitha wurde die modernste Biogasanlage Österreichs eröffnet. Das veredelte Methan kann ins Gasnetz eingespeist werden

Bruck an der Leitha – Als Russland im Gasstreit mit der Ukraine die Lieferungen drosselte wurden auch in Österreich die Gesichter lang. Mit einem Mal wurde vielen die Importabhängigkeit auf diesem Energiesektor bewusst. Was am Montag im niederösterreichischen Bruck an der Leitha eröffnet wurde, ist nun eine mögliche Antwort darauf: Das erste heimische Biogaswerk, in dem das Rohgas so weit gereinigt wird, dass es in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Dass das keine Ökoflause ist, zeigt die Liste der Partner dieses Projekts vom Energiepark Bruck an der Leitha: EVN, OMV und Wien Energie sind mit an Bord.

Das Ziel ist es, pro Stunde rund 100 m³ netzfähiges Biogas zu erzeugen – die Jahresleistung soll rund 800.000 m³ betragen. Und das ist in etwa so viel, um den Verbrauch der derzeitigen Gas-Automobile in Österreich zu 50 Prozent abzudecken. Das sind aber zugegebenermaßen mit 700 gasbetriebenen Fahrzeugen noch nicht sehr viele. Das in Bruck erzeugte Gas wird in das Netz der EVN eingespeist – und dann zu den Tankstellen der Projektpartner EVN, OMV und Wien Energie durchgeleitet.

Entscheidend für die wirtschaftliche Machbarkeit dieser Anlage war, dass eine neue Technologie zum Einsatz kommt, die für diese Größenordnung von den Prozesstechnikern der Technischen Universität Wien gemeinsam mit der Firma Axiom entwickelt wurde: Ein wichtiger Schritt bei der Veredelung des Rohgases ist die Trennung von Methan und Kohlendioxid. Waren bisher aufwändige und vor allem teure Aktivkohlefilter im Einsatz, ist es in Bruck nun eine halb durchlässige und deutlich billigere Membran.

Gleichzeitig müssen die Rohstoffkosten möglichst niedrig gehalten werden – daher wurde gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur für die Landwirtschaft ein Konzept mit Fruchtfolgen entwickelt: So können die Landwirte etwa Winterweizen anbauen und nach der Ernte noch spezielle Kultursorten für die Biogasproduktion. Die Reststoffe können dann wieder als Dünger auf die Felder aufgebracht werden.

Ein entscheidendes Hemmnis für derartige Lösungen: In Deutschland gibt es auch Förderungen, wenn Biogas ins Gasnetz eingeleitet und dann an anderer Stelle verstromt wird. In Österreich ist das nicht möglich. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.06.2007)

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