Energie AG OÖ forciert Entsorgungsgeschäft

23. Juli 2007, 15:12
posten

Der Anteil des Segments Entsorgung soll heuer auf ein Viertel des Gesamtumsatzes steigen

Wien - Die Energie AG Oberösterreich (EAG), für die der Oö. Landtag voraussichtlich am Donnerstag kommender Woche die Teilprivatisierung mit Börsegang beschließen wird, setzt verstärkt auf das Entsorgungungsgeschäft. Die Entsorgungstochter AVE soll im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 280 Mio. Euro erwirtschaften, nach rund 240 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2005/06 (30.9.), erklärten EAG-Chef Leo Windtner und AVE-Geschäftsführer Helmut Burger am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Anteil des Segments Entsorgung soll heuer auf ein Viertel des Gesamtumsatzes steigen, mittelfristig auf ein Drittel, so Windtner; im vergangenen Geschäftsjahr waren es knapp 20 Prozent und 2002 erst 12 Prozent.

Einen kräftigen Expansionkurs fährt die AVE vor allem in Mittel- und Osteuropa (CEE). In der Slowakei sei die AVE Slovakia innerhalb von drei Monaten zur Nummer vier am Abfall-Markt geworden. Verantwortlich dafür sei die Übernahme der Mehrheit an der V.O.D.S. a.s. in Kosice. Vor wenigen Tagen sei ein Joint Venture mit der Stadt Tornala (Mittelslowakei) abgeschlossen worden. Die AVE hat dort 70 Prozent der städtischen Dienste erworben. In der Nähe des Flughafens Bratislava errichtet die AVE Slovakia ein Abfallwirtschaftszentrum, Baubeginn ist im Sommer.

AVE in Rumänien

Vor rund einem Jahr ist die AVE in Rumänien eingestiegen. Entsorgungsdienstleistungen werden mittlerweile für rund 300.000 Einwohner sowie rund 2.000 Gewerbe- und Industriekunden erbracht. Anang 2007 startete die AVE Waste Management Romania SRL als Landesgesellschaft. Gewonnen hat die AVE kürzlich eine Ausschreibung in Petrila, bei der die AVE in Arbeitsgemeinschaft mit der österreichischen Baufirma Swietelsky eine Deponie errichten und betreiben, die über ein Fassungsvermögen von rund einer Mio. t Abfall 30 Jahre lang befüllt werden kann. Übernommen wurde vor kurzem die Entsorgungsfirma AVE Salaj, wo das Unternehmen Entsorgungsleistungen für 32.000 Einwohner erbringt. Beschäftigt sind in der AVE Rumänien rund 165 Mitarbeiter.

Moderne Abfallwirtschaft in der Slowakei und in Rumänien bedeute neue Deponien nach EU-Standard, betonte Windtner. Die thermische Verwertung werde der zweite Schritt in einigen Jahren sein. Die AVE sehe darin dank der in Oberösterreich erworbenen thermischen Kompetenz eine nachhaltige Absicherung des Wachstumskurses. In Osteuropa werde es zumeist noch 8 bis 10 Jahre dauern, bis eine Abfallverbrennung wirtschaftlich möglich sei, sagte Burger. So koste in Oberösterreich derzeit die Entsorgung einer Tonne Abfall 130 Euro, in Rumänien jedoch nur 8 Euro: "Da kann man nicht gleich zur Verbrennung hin, die wäre wegen der Kapitalkosten für die Anlage nicht billiger." Derzeit lande alles im Restmüll, daher seien die Müllmengen im Osten mit 300 bis 470 kg pro Kopf und Jahr höher als in Österreich, in Industrie und Gewerbe seien sie stark rückläufig. In Österreich ist seit Anfang 2004 das Deponieren unbehandelten Mülls verboten.

100 Standorte in Österreich

Die AVE hat knapp 100 Standorte in Österreich, Tschechien, Ungarn, Süddeutschland, Rumänien, der Slowakei und in der Ukraine. In der Ukraine wird man sich zunächst auf das westlichste Bundesland "Oblast Transkarpatia) beschränken. Grundsätzlich wolle man in den Ostmärkten entweder die Nr. 1 oder der Herausforderer der Nr. 1 werden. Beschäftigt sind in der AVE-Gruppe 3.500 Mitarbeiter. Von den zuletzt 2005/06 durch die AVE bewegten 3,48 Mio. t Abfälle entfielen 1,66 Mio. t auf Österreich, 1,1 Mio. auf Tschechien und 730.000 t auf Ungarn. In Summe erbringt die EAG-Tochter Dienstleistungen für 4,5 Mio. kommunale sowie über 40.000 Gewerbe- und Industriekunden im In- und Ausland. Im Inland ist die AVE mit 600.000 Jahrestonnen Kapazität der größte thermische Entsorger außerhalb Wiens.

Der Zukauf einer weiteren Million Euro Umsatz koste zirka 1 Mio. Euro, das gelte als Faustregel, sagte AVE-Geschäftsführer Burger. Osteuropa werde aus Expertensicht auch in den nächsten zehn Jahren die zweitwichtigste Wachstumsregion weltweit bleiben. In Ost- und Südosteuropa gebe es noch viele interessante Regionen, auch im Wasserbereich, so Windtner. (APA)

  • Artikelbild
    foto: energie ag
Share if you care.