Reinhard Jirgl neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

1. Juli 2007, 19:41
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Berliner Schriftsteller erhält traditionsreiche Auszeichnung des Frankfurter Vorortes

Frankfurt/Main - Der Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl wird neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. Der in der ehemaligen DDR aufgewachsene Autor tritt sein Amt in dem Frankfurter Vorort Ende August an, wie die Jury des traditionsreichen Kulturpreises am Montag mitteilte. Der 54-jährige Jirgl habe in seinen Romanen eine "literarische Archäologie und Besichtigung der deutsch-deutschen Vergangenheit und Gegenwart vorangetrieben". Als 34. Stadtschreiber kann Jirgl in Bergen in einem Haus ein Jahr wohnen und arbeiten. Das mit dem Amt verbundene Preisgeld wurde dieses Jahres von 15.500 auf 20.000 Euro aufgestockt. Bergen-Enkheim hatte vor über 25 Jahren als bundesweit erster Ort das Amt des "Stadtschreibers" geschaffen.

Der in Ostberlin geborene Jirgl konnte seine Bücher in der DDR nicht veröffentlichen. Erst nach der Wende wurden seine Romane publiziert. "Seine Landschafts-, Gesellschafts- und Menschendarstellungen sind ebenso realistisch wie visionär, ebenso verstörend wie suggestiv", meinte die Jury in Bergen-Enkheim. Sprachmächtiger sei in Deutschland seit Alfred Döblin und Arno Schmidt nicht mehr gedichtet worden. Jirgl hat inzwischen zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Alfred-Döblin-Preis und den Joseph-Breitbach-Preis. Zu seinen Werken gehören die Romane "Abschied von den Feinden" und "Abtrünnig".

Als Stadtschreiber ist Jirgl Nachfolger von Ingomar von Kieseritzky. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem Katharina Hacker, Uwe Timm, Wolfgang Hilbig, Robert Gernhardt, Wilhelm Genazino, Arnold Stadler, Herta Müller, Eva Demski und Gerhard Köpf, Peter Rühmkorf und Wolgang Koeppen. Eingeführt wird Jirgl in sein Amt am 30. August. Die Festrede wird Norbert Miller, Professor für Literaturwissenschaft an der TU Berlin, halten. (APA/dpa)

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