Porträts: MOL und OMV

25. Juli 2007, 13:54
posten

Ungarischer Öl- und Gaskonzern mit Interessen am Balkan - OMV gilt seit der Petrom-Übernahme als mitteleuropäischer Player

Die OMV hat am Montag bekannt gegeben, dass sie ihren Anteil an der ungarischen MOL für rund eine Mrd. Euro von 10 auf 18,6 Prozent erhöht habe. Eine weitere Verschränkung der beiden Unternehmen bis hin zum Zusammenschluss scheint nicht völlig ausgeschlossen. Im Folgenden Porträts der beiden Konzerne:

MOL: Ungarn mit Interessen am Balkan

Der ungarische Öl- und Gaskonzern MOL hat im Vorjahr mit rund 13.900 Mitarbeitern ungerechnet rund 11,8 Mrd. Euro Umsatz gemacht. Der viele Jahrzehnte lang staatliche ungarische Mineralölkonzern MOL ist heute praktisch völlig privatisiert.

Die MOL produziert pro Tag etwa 53.000 Barrel Rohöl und 49.300 Barrel Erdöläquivalente Gas. Die Raffineriekapazität liegt bei etwa 14 Millionen Tonnen pro Jahr, das Tankstellennetz umfasst 770 Standorte. Die gesicherten Reserven (Öl und Gas) werden mit 331 Millionen Barrel Erdöläquivalente angegeben. Die bereinigte Ebit-Marge im vergangenen Jahr betrug etwa 10,7 Prozent.

Änderungen in der Eigentümerstruktur

MOL besitzt 25 Prozent an der kroatischen INA, mit der sie in der Exploration auch kooperiert. Außer in Ungarn ist die MOL "upstream" u.a. in Russland, Kasachstan und dem Oman tätig. Die INA wiederum ist in Ägypten, Syrien und Angola tätig.

An der Eigentümerstruktur hat sich nach zahlreichen Deals in den vergangenen Wochen etliches geändert. Unverändert geblieben ist, dass es praktisch keine Staatsanteile mehr gibt. Laut MOL-Homepage waren Ende vergangenen Jahres 58,6 Prozent in Händen ausländischer, meist institutioneller Investoren.

2,8 Prozent eigene Anteile

MOL besaß laut Homepage des Unternehmens zuletzt 10 Prozent der eigenen Aktien, hat davon aber am Freitag 8 Prozent an die größte ungarische Bank, die OTP Bank, verliehen, um weitere eigene Anteile zukaufen zu können - was sie noch am Freitag gemacht hat. Laut Mitteilung von Montag hält die MOL jetzt 2,8 Prozent eigener Anteile. Die OTP Bank kommt laut eigenen Angaben von Freitag jetzt auf 9,1 Prozent und wäre damit arithmetisch in der Lage, der OMV (nun 18,6 Prozent) zu einer Sperrminorität verhelfen.

Ob dies Sinn machen würde, ist derzeit unklar: Laut aktuellem Statut darf kein Aktionär mehr als 10 Prozent der Stimmrechte ausüben.

OMV: Mitteleuropäischer Player mit Ambitionen

Die OMV ist mit einem Konzernumsatz von knapp 19 Milliarden Euro, 41.000 Beschäftigten und einer Marktkapitalisierung von etwa 15 Milliarden Euro das größte börsenotierte Industrieunternehmen Österreichs. Die OMV ist bei Raffinerien & Marketing (R&M) in 13 Ländern tätig, bei Exploration & Produktion (E&P) ist die OMV in 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv.

Mit der Übernahme der Mehrheit an der rumänischen Petrom wurde der Konzern zum größten Öl- und Erdgaskonzern Mitteleuropas mit Öl- und Gasreserven von rund 1,3 Mrd. Barrel Erdöläquivalenten (boe). Die aktuelle Tagesproduktion beträgt rund 322.000 boe, die jährliche Raffineriekapazität 26,4 Millionen Tonnen. Der Bereich Erdgas verkauft jährlich über 14 Mrd. m3 Gas.

2.511 Tankstellen

Der OMV-Konzern verfügt nunmehr über 2.511 Tankstellen, der Marktanteil des Konzerns im Bereich Raffinerie & Marketing (R&M) im Donauraum beträgt damit rund 20 Prozent. Im vergangenen Jahr hat die OMV 35,2 Prozent an der Petrol Ofisi, Türkeis führendem Unternehmen im Tankstellen- und Kundengeschäft, erworben.

Die OMV ist auch an integrierten Chemie- und Petrochemiebetrieben - zu 50 Prozent an AMI Agrolinz Melamin International GmbH und zu 35 Prozent an Borealis A/S, einem der weltweit führenden Polyolefin-Produzenten - beteiligt.

Die OMV hat im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von gut 1,6 Mrd. Euro und eine Ebit-Marge von rund 10,9 Prozent erzielt. (APA)

Links
MOL
OMV
Share if you care.