Mol reagiert kühl auf OMV-Avancen

25. Juli 2007, 13:54
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Die OMV erhöht ihre Anteile am ungarischen Öl- und Gaskonzern um eine Milliarde auf 18,6 Prozent, allerdings ohne Zustimmung von MOL

Wien/Budapest – Die OMV baut ihre Beteiligung an der ungarischen Mol von gut zehn auf 18,6 Prozent aus und legt dafür umgerechnet eine Milliarde Euro auf den Tisch. "Wir haben die Gelegenheit genutzt, einige Aktienpakete an Mol zu erwerben," gab OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Montag bekannt. Angesichts einer absehbaren Konsolidierung am mitteleuropäischen Öl- und Gasmarkt sei die Aufstockung "ein wichtiger Schritt". Nun soll es Gespräche über eine Vertiefung der Allianz geben.

Das Mol-Management sieht den Aktienankauf der OMV nicht unbedingt als freundlichen Akt: Denn vor dem Schritt der Wiener habe es keine Information des Managements in Budapest gegeben. Dieses reagierte verschnupft: Mol werde weiter eine "eigene Strategie" verfolgen, trotz des Angebots der OMV zu "strukturierten Gesprächen".

Aktienrückkauf

Die zu hundert Prozent privatisierte Mol hat erst vor Kurzem den Rückkauf von bis zu zehn Prozent an eigenen Aktien beschlossen. Analysten sehen darin den Versuch von Mol, sich vor einer möglichen Übernahme zu wappnen.

Der ungarische Staat als früherer Mehrheitseigentümer von Mol hat im Vorjahr auch auf die so genannte "golden share" verzichtet, die ihm besondere Mitspracherechte auch mit geringer Beteiligung gesichert hatte.

Die von der OMV nun erworbenen zusätzlichen 8,6 Prozent an der Moll setzten sich aus mehreren Aktienpaketen zusammen, die auch anderen Unternehmen angeboten worden seien. Ein Paket hat die OMV von der Beteiligungsgesellschaft Vienna Capital Partners (VCP) erworben, bei der auch Ex-Innenminister Ernst Strasser als Energie-Investmentberater tätig ist. Nach Informationen von VCP stammen die an die OMV weiterverkauften Aktien aus dem Portefeuille von zwei Investmentgesellschaften, die dem russischen Oligarchen Medget Rachimkulow (s. Bericht unten rechts) gehören. Insgesamt habe man 6,2 Prozent an Mol erworben und halte nach dem Verkauf an die OMV wieder bei weniger als fünf Prozent.

Zusammenschluss

OMV-Chef Ruttenstorfer wies auf den härter werdenden Wettbewerb hin. Derzeit gebe es rund ein Dutzend große Player in der Branche, die in Mitteleuropa aktiv sind. In zwei, drei Jahren werde die Zahl sicher kleiner sein. Auf Spekulationen, wie viele selbstständige Öl- und Gasunternehmen es dann noch geben werde, wollte Ruttenstorfer nicht eingehen. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass die OMV führend sein wolle.

Die ersten zehn Prozent an Mol hat die OMV im Jahr 2000 erworben. Seitdem hat es immer wieder Versuche von österreichischer Seite gegeben, beide Unternehmen enger zusammenzuschmieden. Das Mol-Management stand auf der Bremse. Erst Anfang Mai dieses Jahres hatte Mol-Generaldirektor Zsolt Hernádi – im Standard-Interview auf einen möglichen Merger mit OMV angesprochen – gemeint: "Bei einem Zusammengehen würden wir mehr Werte vernichten als aufbauen." Grund sei die Antimonopolregelung, aufgrund von Überschneidungen müssten so viele Geschäfte abgegeben werden, dass dadurch keine Werte für die Aktionäre geschaffen würden.

Ruttenstorfer wertete diese Aussage als "Überreaktion".

Die Staatsholding ÖIAG, die 31,5 Prozent an der OMV hält, hat die Aufstockung der Mol-Anteile begrüßt. Wegen der Zehn-Prozent-Stimmrechtsbeschränkung bekommt die OMV durch die Aufstockung keine zusätzlichen Rechte.

Vom Aktienmarkt wurde der Milliardendeal unterschiedlich aufgenommen. Während die OMV-Aktie an der Börse in Wien an Wert verlor, verzeichnete das Mol-Papier in Budapest ein Allzeithoch.

Erst am Freitag hatte die Mol-Aktie um knapp acht Prozent höher bei 26.000 Forint (105,8 Euro) geschlossen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.06.2007)

  • Rechnet mit Konsolidierungswelle: OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer.

    Rechnet mit Konsolidierungswelle: OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer.

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    Will Selbstständigkeit des Unternehmens erhalten: Mol-Chef Zsolt Hernádi.

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