Computergestütztes Lernen gerät unter Beschuss

6. Juli 2007, 15:05
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Langzeitstudie sieht Keine Verbesserung der Lese- und Rechenleistung - Immerhin wird Umgang mit Computer trainiert

In vielen Schulen wurden in den letzten Jahren Projekte gestartet, in deren Rahmen Schüler mit eigenen Notebooks ausgestattet wurden. Dies geschah in der Hoffnung, die Lernleistung der Jugendlichen zu verbessern. In den USA melden sich nun Kritiker zu Wort, die beweisen wollen, dass der Einsatz neuer Technologien dem Lernprozess keineswegs förderlich sei, wie die Schweizer Sonntagszeitung berichtet. Ein Argument dafür liefert ihnen eine Langzeitstudie des Texas Center for Education Research, die in einem Zeitraum von vier Jahren die Leistungen von Schülern, die mit einem Laptop ausgerüstet wurden, mit jenen vergleicht, die auf traditionelle Art und Weise unterrichtet werden.

Einsatz

Der kürzlich veröffentlichte Zwischenbericht zeigt, dass der Einsatz von Notebooks keinen erkennbaren Effekt auf die Leistungen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Schreiben zu haben scheint. Dennoch räumen die Forscher ein, dass die Schüler motivierter seien, besser mit dem Computer umgehen könnten und auch die Zusammenarbeit in Gruppen besser funktioniere. Auch eine englische Studie, veröffentlicht im Magazin "Educational Studies", zeigt, dass der Einsatz eines Computerprogramms die Lese- und Schreibfähigkeit von elf- bis zwölf-jährigen Kindern nicht verbessern kann. In den USA werden nun teilweise Projekte abgebrochen und Computer aus den Klassenzimmern verbannt. Grund dafür ist aber nicht nur die unveränderte Lernleistung, sondern auch technische Probleme und hohe Kosten, die viele Eltern nicht mehr tragen wollen.

Kreativ?

Eine andere Sicht der Dinge vertritt Mark Warschauer, Professor an der University of California, in seinem Buch "Laptops and Literacy". Darin vertritt er die Meinung, dass die Arbeit mit Computern im Klassenzimmer die Kreativität und Selbstständigkeit der Schüler fördere. Auch in der Schweiz ist man von den positiven Auswirkungen solcher Projekte überzeugt. Von der vergleichenden US-Studie hält man wenig, da es nicht der vorrangige Sinn sei, die Lernleistung in einzelnen Fächern wie Mathematik oder Deutsch zu steigern. Ziel sei es vielmehr, Interesse, Motivation und eigenständiges Lernen zu fördern. In diesen Bereichen sei der positive Einfluss von computergestütztem Lernen belegt, wie Dominik Petko, Leiter des Instituts für Medien und Schule der PHZ Schwyz, meint. (pte)

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