Ex-Präsident Taylor boykottiert Den Haager Gericht

2. Juli 2007, 19:02
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Geplante erste neue Zeugenbefragung konnte nicht stattfinden

Den Haag - Der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, wegen des Einsatzes von Kindersoldaten und anderer Kriegsverbrechen ist in eine Sackgasse geraten. Ein Boykott durch Taylor und ein erbitterter Streit innerhalb der Gerichtsverwaltung zwangen das Sondergericht für Sierra Leone am Montag erneut zu einer Vertagung. Hintergrund sind die Forderungen des ehemaligen Diktators nach einer hochkarätigen Verteidigung.

Taylor, der schon dem Auftakt des Verfahrens vor drei Wochen fern geblieben war, hatte damals seinen Anwalt entlassen und erklärt, er werde sich selbst verteidigen. Nun berichtete der Leiter der für die Verteidigung zuständigen Gerichtsabteilung, Vincent Nmehielle, Taylor habe es sich anders überlegt. Er verlange jedoch Anwälte von höchstem Format, für die seine - Nmehielles - Abteilung allerdings kein Geld habe. Dafür machte Nmehielle die Gerichtskanzlei verantwortlich, die ausschließlich auf eine Begrenzung der Kosten achte. Taylor gilt als mittellos und muss seine Verteidigung deshalb nicht selbst bezahlen.

Die Vorsitzende Richterin Julia Sebutinde warf Taylor vor, das Verfahren zu boykottieren. Wenn er sich selbst verteidigen wolle, müsse er auch erscheinen. Sie kritisierte aber auch, dass die Gerichtskanzlei und das Büro für die Verteidigung es seit Monaten nicht geschafft hätten, die verfahrene Situation zu klären. "Es ist bedauerlich, dass das auch von einem Teil des Gerichts verursacht worden ist", sagte sie.

In Taylors Abwesenheit und ohne einen Anwalt konnte die geplante erste Zeugenbefragung nicht stattfinden. Das Gericht vertagte sich auf den kommenden Montag. Es wies die Kanzlei an, dafür Sorge zu tragen, dass bis dahin zumindest ein Pflichtverteidiger für Taylor ernannt wird.

Das Sondergericht für Sierra Leone soll über die Hauptverantwortlichen des Bürgerkrieges in diesem westafrikanischen Land urteilen. Taylor wird beschuldigt, vom Nachbarland Liberia aus die Rebellengruppe RUF finanziert und mit Waffen versorgt zu haben. Das Gericht tagt üblicherweise in Sierra Leones Hauptstadt Freetown, nur der Prozess gegen Taylor findet aus Sicherheitsgründen in Den Haag statt. (APA/dpa/AP)

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    Wie schon zum Prozessauftakt Anfang Juni ist Liberias früherer Staatschef Charles Taylor auch diesesmal nicht zur Verhandlung erschienen.

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