Messner: "Hätte kein anderer gemacht"

23. Juli 2007, 12:44
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Reinhold Messner über den Bergsteiger Buhl, der ihn inspiriert und fasziniert

"Der Hermann Buhl hat nicht nur mich inspiriert, sondern viele andere auch, mich besonders, ich gebe das gerne zu. Ich mag den Buhl sehr gerne. Er ist ein anderer Mensch als der Paul Preuß. Ich habe ja über beide, bei Preuß als Herausgeber alleine, und bei Buhl mit Horst Höfler zusammen, eine Biografie geschrieben. Ich habe bei beiden versucht, hinter die Kulissen zu schauen, und ich meine, der Buhl ist eben nicht der Buhl, als der er in seinem eigenen Buch da steht. Das Buch wurde leider von Kurt Maix umgeschrieben. Und der Maix war ein guter Schreiber, auch ein guter Bergsteiger, aber er hat halt in den 30ern sehr viel für den "Völkischen Beobachter" geschrieben. Und diese Lebenshaltung und dieser Stil sind im Buch zu spüren. Der Buhl war nicht so. Er war viel moderner, gescheiter. Das kommt aus den Originaltagebüchern dieses ganz einfachen Menschen heraus.

Der Buhl war der beste Kletterer seiner Zeit, weltweit. Kein Franzose konnte klettern wie er, in Österreich war er sowieso unschlagbar, und die Deutschen waren auch nicht so gut nach dem Krieg. Er war der beste Kletterer und außerdem ein äußerst zäher Bursche, weil er ja sehr harte Wintertouren gemacht hat. Am Nanga Parbat war er am meisten unter "Drive", ich sage nicht unter Druck, sondern unter Drive, und deshalb in der Lage, diese Besteigung zu machen. Das hätte kein anderer gemacht, was er da getan hat.

Am Broad Peak war er nicht mehr der Buhl vom Nanga Parbat, aufgrund seiner Arbeit. Er hat ja seine Familie ernähren müssen, es ging ihnen dann recht gut, und mit seinen Vorträgen ist er endlich zu Mitteln gekommen, er hatte ja vorher keine Mittel, er ist gerade über die Runden gekommen. Er hat dann zwischen Prag und Rom, zwischen Paris und Wien Vorträge gehalten. Weil ich seine Biografie gemacht habe, kriege ich solche Bilder zugeschickt, wo er mit Krawatte und mit Mantel in Rom auftaucht und dann Vorträge hält. Es ist sehr interessant, dass man auch diesen öffentlichen Buhl sieht, der sehr viel Lebensfreude ausstrahlt, und er hat das auch ganz selbstverständlich und gerne gemacht. Es war nicht so, dass er gedacht hat, ich muss ein paar Vorträge machen, weil ich Geld verdienen muss.

Und dann ist er zum Broad Peak gegangen. Das war seine Idee. Das "Wie" am Broad Peak war die Revolution - dass er auf die Träger verzichtet hat. Dass er umkam, war ein Unglück, das einen Bergsteiger aus einer beginnenden Karriere und einen jungen Vater aus seiner Familie gerissen hat." (Michael Grabner/Fritz Neumann hörten Reinhold Messner zu - DER STANDARD PRINTAUSGABE 25.6. 2007)

Tipp:
Hermann Buhl, Sonderausstellung im Messner Mountain Museum Ortles (Sulden/Ortler). Eröffnung am 27. 6. in Anwesenheit von Eugenie Buhl.
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